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wie_die_eckernfoerder_quasen_entstanden

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 === von Dierk Bobzin === === von Dierk Bobzin ===
  
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 Fischerquasen, kurz Quasen genannt, sind die alten Segelboote der Schleswiger Fischer der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie waren 8 bis 12 m lang, 2,8 bis 3,4 m breit und konnten den Fang in ihrem seewasserdurchfluteten Innenraum, der Bünn, lebend abtransportieren. Trotzdem waren sie schnelle Segler. Fischerquasen, kurz Quasen genannt, sind die alten Segelboote der Schleswiger Fischer der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie waren 8 bis 12 m lang, 2,8 bis 3,4 m breit und konnten den Fang in ihrem seewasserdurchfluteten Innenraum, der Bünn, lebend abtransportieren. Trotzdem waren sie schnelle Segler.
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 //Bald sprangen die Leinen, an welchen sie befestigt waren, bald lösten sich die Schotten im Deckel und die Fische gingen davon, oder das Boot versagte die Wendung und stieß sich mit den Hütfässern die Wände ein. Alle diese Schwierigkeiten, Belästigungen und Zeitversäumnisse wurden beseitigt bei Einführung der Quasen, unter welchen namentlich die Eckernförder wegen ihrer Seetüchtigkeit eine hervorragende Rolle spielten. Es sind Fälle vorgekommen, wo die großen Handelsschiffe abhielten oder sich mit dicht gerefften Segeln unter den Wind legten, während die Quasen trotz Sturm und Wetter unbeirrt ihre Fahrt fortsetzten und das Ufer immer glücklich erreichten.// //Bald sprangen die Leinen, an welchen sie befestigt waren, bald lösten sich die Schotten im Deckel und die Fische gingen davon, oder das Boot versagte die Wendung und stieß sich mit den Hütfässern die Wände ein. Alle diese Schwierigkeiten, Belästigungen und Zeitversäumnisse wurden beseitigt bei Einführung der Quasen, unter welchen namentlich die Eckernförder wegen ihrer Seetüchtigkeit eine hervorragende Rolle spielten. Es sind Fälle vorgekommen, wo die großen Handelsschiffe abhielten oder sich mit dicht gerefften Segeln unter den Wind legten, während die Quasen trotz Sturm und Wetter unbeirrt ihre Fahrt fortsetzten und das Ufer immer glücklich erreichten.//
  
-[{{ :andreashinkelmann.png?nolink&240|Oberfischmeister Andreas Hinkelmann}}]+[{{ :andreashinkelmann.png?240|Oberfischmeister Andreas Hinkelmann}}]
 //Der Fischmeister Hinkelmann, früher selbst in Eckernförde Fischer, sagte zu mir: „Ich habe weit von der Küste auf hoher See Stürme bewältigt, welche am Lande Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt haben, aber ich habe dabei niemals daran gedacht, dass der Kiel nach oben kommen könnte, ein so ungemein sicheres Gefühl ist es, in diesen, wenn auch offenen, Fahrzeugen zu segeln. Vier Mann an Bord können viel hereingesegeltes Wasser wieder herausbringen. Allerdings passieren beim Buttfang ab und zu Unfälle, aber man wird die Schuld eher einem plötzlichen Überfall von Wirbelwinden oder irgendeiner Fahrlässigkeit seitens der Fischer zuschreiben müssen. Bei einem regelrechten Sturm werden die allerwenigsten Fischer verunglückt sein.// //Der Fischmeister Hinkelmann, früher selbst in Eckernförde Fischer, sagte zu mir: „Ich habe weit von der Küste auf hoher See Stürme bewältigt, welche am Lande Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt haben, aber ich habe dabei niemals daran gedacht, dass der Kiel nach oben kommen könnte, ein so ungemein sicheres Gefühl ist es, in diesen, wenn auch offenen, Fahrzeugen zu segeln. Vier Mann an Bord können viel hereingesegeltes Wasser wieder herausbringen. Allerdings passieren beim Buttfang ab und zu Unfälle, aber man wird die Schuld eher einem plötzlichen Überfall von Wirbelwinden oder irgendeiner Fahrlässigkeit seitens der Fischer zuschreiben müssen. Bei einem regelrechten Sturm werden die allerwenigsten Fischer verunglückt sein.//
  
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 1885 fing man an, viele von der Größe her geeigneten Boote einzudecken, um so auch bei schwerem Wetter auf der offenen See fischen zu können. Boote mit Sprietsegeln und entsprechender Größe wurden, wegen der besseren Segeleigenschaft und schlechten Handhabung der großen Sprietbäume, im Raum Eckernförde auf Gaffeltakelung umgerüstet. Da viele Fischer in hafenlosen Gebieten beheimatet waren, wurde auch ein neuer Bootstyp eingeführt: die Schwertquase mit einem Steckschwert in der Bünn. 1885 fing man an, viele von der Größe her geeigneten Boote einzudecken, um so auch bei schwerem Wetter auf der offenen See fischen zu können. Boote mit Sprietsegeln und entsprechender Größe wurden, wegen der besseren Segeleigenschaft und schlechten Handhabung der großen Sprietbäume, im Raum Eckernförde auf Gaffeltakelung umgerüstet. Da viele Fischer in hafenlosen Gebieten beheimatet waren, wurde auch ein neuer Bootstyp eingeführt: die Schwertquase mit einem Steckschwert in der Bünn.
  
-Diese war wie ein Zeesboot getakelt, der Besanmast führte aber ein kleines Gaffelsegel ohne Giekbaum, oder das alte Sprietsegel. 1889 beschreibt Herr Hinkelmann in einem Bericht **Über die Entwicklung des Fischereigewerbes in Eckernförde** auch den derzeitigen Entwicklungsstand der Quasen:+Diese war wie ein Zeesboot getakelt, der Besanmast führte aber ein kleines Gaffelsegel ohne Giekbaum, oder das alte Sprietsegel. 1889 beschreibt Herr Hinkelmann in einem Bericht **Über die Entwicklung des Fischereigewerbes in Eckernförde** auch den derzeitigen Entwicklungsstand der Quasen:
  
 //Während sich der Buttfang mit Stellnetzen seit 1885 noch mehr verschlechtert hat, während seit Mitte April diesen Jahres mit Buttwaden, deren Zahl jetzt schon gegen 30 beträgt, Massen von Goldbutt - oft 50-60 pro Tag und pro Boot - gefangen werden. Viele der bei diesem Betriebe verwandten Quasen wurden im Laufe der letzten Jahre zum Schutze gegen die Witterungsverhältnisse mit einem Halbdeck versehen. Diese gehören zu den größten Fahrzeugen, welche an unserer Ostküste verwendet werden. Ihre Seetüchtigkeit hat durch Verwendung von Gaffelsegel statt Sprietsegel in einer Weise zugenommen, dass bei einigermaßen umsichtiger Leitung die Gefahr des Kenterns der Quasen fast ausgeschlossen ist. Die amtlich eingetragene Zahl der beim Betriebe der Seefischerei von Eckernförde aus benutzten Fahrzeuge beträgt gegenwärtig 237, nämlich 55 Quasen, 123 Boote und 59 Jollen. Mit Jollen werden hier die Waadboote bezeichnet, in Dänemark Smakke-Jolle.// //Während sich der Buttfang mit Stellnetzen seit 1885 noch mehr verschlechtert hat, während seit Mitte April diesen Jahres mit Buttwaden, deren Zahl jetzt schon gegen 30 beträgt, Massen von Goldbutt - oft 50-60 pro Tag und pro Boot - gefangen werden. Viele der bei diesem Betriebe verwandten Quasen wurden im Laufe der letzten Jahre zum Schutze gegen die Witterungsverhältnisse mit einem Halbdeck versehen. Diese gehören zu den größten Fahrzeugen, welche an unserer Ostküste verwendet werden. Ihre Seetüchtigkeit hat durch Verwendung von Gaffelsegel statt Sprietsegel in einer Weise zugenommen, dass bei einigermaßen umsichtiger Leitung die Gefahr des Kenterns der Quasen fast ausgeschlossen ist. Die amtlich eingetragene Zahl der beim Betriebe der Seefischerei von Eckernförde aus benutzten Fahrzeuge beträgt gegenwärtig 237, nämlich 55 Quasen, 123 Boote und 59 Jollen. Mit Jollen werden hier die Waadboote bezeichnet, in Dänemark Smakke-Jolle.//
  
-Bilder von diesen Booten (Kielquase u. Schwertquase) habe ich in einem [[regatta_fuer_fischerboote_anno_1901|Bericht über die Fischerbootregatta von 1901 in Eckernförde]] gefunden. (Siehe auch den Bericht auf Seite 19.) Außer den Quasen nahmen auch Waadboote teil (kleine Boote, mit 2 Sprietsegeln). Die unterschiedliche Bezeichnung für gleiche Bootstypen rührt daher, dass oft die Art der Anwendung der Boote als Typenbezeichnung galt (Zeesenboot, Flunderboot, Waadboot, Heuer, Strandboot usw.).+Bilder von diesen Booten (Kielquase u. Schwertquase) habe ich in einem [[regatta_fuer_fischerboote_anno_1901|Bericht über die Fischerbootregatta von 1901 in Eckernförde]] gefunden. Außer den Quasen nahmen auch Waadboote teil (kleine Boote, mit 2 Sprietsegeln). Die unterschiedliche Bezeichnung für gleiche Bootstypen rührt daher, dass oft die Art der Anwendung der Boote als Typenbezeichnung galt (Zeesenboot, Flunderboot, Waadboot, Heuer, Strandboot usw.).
  
 ===== Motorisierung ===== ===== Motorisierung =====
  
-[{{ :quasemitmotor.png?nolink&240| Quase mit Hilfsmotor.}}]+[{{ :quasemitmotor.png?240| Quase mit Hilfsmotor.}}]
  
 Ab etwa 1903 wurden allmählich alle Quasen, wie auch andere Fischereifahrzeuge mit Motoren ausgerüstet (Motorquasen, später Kutter genannt). Vorgemacht hatten es die Dänen, die schon etliche Fahrzeuge mit Maschinen ausgerüstet hatten und dadurch den Vorteil gewannen, bei ungünstigen Winden oder Flauten schneller die Märkte erreichen zu können. Ab etwa 1903 wurden allmählich alle Quasen, wie auch andere Fischereifahrzeuge mit Motoren ausgerüstet (Motorquasen, später Kutter genannt). Vorgemacht hatten es die Dänen, die schon etliche Fahrzeuge mit Maschinen ausgerüstet hatten und dadurch den Vorteil gewannen, bei ungünstigen Winden oder Flauten schneller die Märkte erreichen zu können.
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 Für 1911 wurden für die schleswig-holsteinische Fischerei an der Ostseeküste 154 Fahrzeuge mit Motor und 2030 ohne angegeben. Quasen gab es von Grömitz bis Hadersleben, nördlich von Eckernförde waren die Fahrzeuge kleiner. Für 1911 wurden für die schleswig-holsteinische Fischerei an der Ostseeküste 154 Fahrzeuge mit Motor und 2030 ohne angegeben. Quasen gab es von Grömitz bis Hadersleben, nördlich von Eckernförde waren die Fahrzeuge kleiner.
  
-[{{ :kutter:ecke14.png?nolink&240| **ECKE 14** ist eine typische, zum Fischkutter umgebaute Kielquase. Am Bug sind die Davits für das Treibnetz erkennbar.}}]+[{{ :kutter:ecke14.png?240| **[[kutter:ecke_14|ECKE 14]]** ist eine typische, zum Fischkutter umgebaute Kielquase. Am Bug sind die Davits für das Treibnetz erkennbar.}}]
  
 Um 1930 muss es noch viele Quasen gegeben haben, man erkennt sie auf alten Fotos an der typischen Rumpfform und dem hufeisenförmigen Beschlag für Driftbaum und Stag. Am Bug waren auch die kleinen Davids für die Treibnetzfischerei angebracht. Durch den Umbau zum Kutter wirkten die Boote größer, auch die Takelung ist verändert worden. Der Giekbaum ging über das sehr weit achtern stehende Ruderhaus. Die Pinnensteuerung wurde mittels Seilzug auf Radsteuerung umgebaut. Der Motor befand sich in einem Verschlag, zwischen Bünn und Ruderhaus. Diese äußerliche Veränderung der Quasen mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Herr Timmermann, der Leiter der schiffskundlichen Abteilung des Altonaer Museums, diese nicht mehr als solche erkannt hat und in seinem Buch 1962, über die nordeuropäischen Fischereifahrzeuge, berichtet, dass der Ursprung dieser Fahrzeuge nicht mehr zu ergründen sei. Um 1930 muss es noch viele Quasen gegeben haben, man erkennt sie auf alten Fotos an der typischen Rumpfform und dem hufeisenförmigen Beschlag für Driftbaum und Stag. Am Bug waren auch die kleinen Davids für die Treibnetzfischerei angebracht. Durch den Umbau zum Kutter wirkten die Boote größer, auch die Takelung ist verändert worden. Der Giekbaum ging über das sehr weit achtern stehende Ruderhaus. Die Pinnensteuerung wurde mittels Seilzug auf Radsteuerung umgebaut. Der Motor befand sich in einem Verschlag, zwischen Bünn und Ruderhaus. Diese äußerliche Veränderung der Quasen mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Herr Timmermann, der Leiter der schiffskundlichen Abteilung des Altonaer Museums, diese nicht mehr als solche erkannt hat und in seinem Buch 1962, über die nordeuropäischen Fischereifahrzeuge, berichtet, dass der Ursprung dieser Fahrzeuge nicht mehr zu ergründen sei.
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