wie_die_eckernfoerder_quasen_entstanden
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| + | |Als der Segler Dierk Bobzin zufällige entdeckt, dass er Eigner der letzten bekannten Eckernförder Quase ist, recherchierte er die Geschichte dieses Bootstyps. Erstmalig erschienen ist der Beitrag im Seglermagazin [[https:// | ||
| ====== Wie die Eckernförder Quasen entstanden ====== | ====== Wie die Eckernförder Quasen entstanden ====== | ||
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| === von Dierk Bobzin === | === von Dierk Bobzin === | ||
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| Fischerquasen, | Fischerquasen, | ||
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| //Bald sprangen die Leinen, an welchen sie befestigt waren, bald lösten sich die Schotten im Deckel und die Fische gingen davon, oder das Boot versagte die Wendung und stieß sich mit den Hütfässern die Wände ein. Alle diese Schwierigkeiten, | //Bald sprangen die Leinen, an welchen sie befestigt waren, bald lösten sich die Schotten im Deckel und die Fische gingen davon, oder das Boot versagte die Wendung und stieß sich mit den Hütfässern die Wände ein. Alle diese Schwierigkeiten, | ||
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| //Der Fischmeister Hinkelmann, früher selbst in Eckernförde Fischer, sagte zu mir: „Ich habe weit von der Küste auf hoher See Stürme bewältigt, welche am Lande Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt haben, aber ich habe dabei niemals daran gedacht, dass der Kiel nach oben kommen könnte, ein so ungemein sicheres Gefühl ist es, in diesen, wenn auch offenen, Fahrzeugen zu segeln. Vier Mann an Bord können viel hereingesegeltes Wasser wieder herausbringen. Allerdings passieren beim Buttfang ab und zu Unfälle, aber man wird die Schuld eher einem plötzlichen Überfall von Wirbelwinden oder irgendeiner Fahrlässigkeit seitens der Fischer zuschreiben müssen. Bei einem regelrechten Sturm werden die allerwenigsten Fischer verunglückt sein.// | //Der Fischmeister Hinkelmann, früher selbst in Eckernförde Fischer, sagte zu mir: „Ich habe weit von der Küste auf hoher See Stürme bewältigt, welche am Lande Häuser abgedeckt und Bäume entwurzelt haben, aber ich habe dabei niemals daran gedacht, dass der Kiel nach oben kommen könnte, ein so ungemein sicheres Gefühl ist es, in diesen, wenn auch offenen, Fahrzeugen zu segeln. Vier Mann an Bord können viel hereingesegeltes Wasser wieder herausbringen. Allerdings passieren beim Buttfang ab und zu Unfälle, aber man wird die Schuld eher einem plötzlichen Überfall von Wirbelwinden oder irgendeiner Fahrlässigkeit seitens der Fischer zuschreiben müssen. Bei einem regelrechten Sturm werden die allerwenigsten Fischer verunglückt sein.// | ||
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| //Der Klüver enthält 20-30 Ellen Tuch. Der Vordermast misst 18-20 Fuß, seine Sprietstange 22-24 Fuß, der Groß(-Mittel)mast ist durchschnittlich 25 bis 28 Fuß, seine Sprietstange 30-36 Fuß lang. Der Besanmast hat nur eine Länge von 12-16 Fuß und seine Sprietstange 18-22 Fuß. Die Länge der Sprietstangen richtet sich nach dem spitzem oder stumpfem Zuschnitt der Segel an ihrer höchsten Spitze (Piek). Die nordschleswigschen Quasen, sowie die in Holstein gebräuchlichen sind zumeist erheblich kleiner, durchschnittlich etwa 18 bis 20 Fuß über Steven lang.// | //Der Klüver enthält 20-30 Ellen Tuch. Der Vordermast misst 18-20 Fuß, seine Sprietstange 22-24 Fuß, der Groß(-Mittel)mast ist durchschnittlich 25 bis 28 Fuß, seine Sprietstange 30-36 Fuß lang. Der Besanmast hat nur eine Länge von 12-16 Fuß und seine Sprietstange 18-22 Fuß. Die Länge der Sprietstangen richtet sich nach dem spitzem oder stumpfem Zuschnitt der Segel an ihrer höchsten Spitze (Piek). Die nordschleswigschen Quasen, sowie die in Holstein gebräuchlichen sind zumeist erheblich kleiner, durchschnittlich etwa 18 bis 20 Fuß über Steven lang.// | ||
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| //Je größer die Quasen gebaut werden, desto mehr stellt sich die Schwierigkeit ein, die Sprietsegel mit einfacher Handkraft zu regieren. So haben dann in den letzten Jahren einige Fischer versucht, das Großsegel durch ein Gaffelsegel zu ersetzen, wobei ja die Taljen einen Teil der Handkraft ersetzen, und statt des Vormastes und Vordersegels ein Focksegel anzubringen. Schon seit Jahren hat man sich mit dieser wesentlichen Umänderung beschäftigt, | //Je größer die Quasen gebaut werden, desto mehr stellt sich die Schwierigkeit ein, die Sprietsegel mit einfacher Handkraft zu regieren. So haben dann in den letzten Jahren einige Fischer versucht, das Großsegel durch ein Gaffelsegel zu ersetzen, wobei ja die Taljen einen Teil der Handkraft ersetzen, und statt des Vormastes und Vordersegels ein Focksegel anzubringen. Schon seit Jahren hat man sich mit dieser wesentlichen Umänderung beschäftigt, | ||
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| Die deutschen Fischer waren der Meinung, dass Treibnetzfischerei sich in der Ostsee nicht lohnen würde, da die Strömung hierfür zu gering sei. Die Dänen bewiesen das Gegenteil. Dänische Fischer fischten mit ihren seetüchtigen kleinen Decksbooten außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer vor Fehmarn mit Treibnetzen und hatten dabei beträchtliche Erfolge. Da die Fänge auch bei uns angelandet wurden, blieb das auch unseren Fischern nicht verborgen. | Die deutschen Fischer waren der Meinung, dass Treibnetzfischerei sich in der Ostsee nicht lohnen würde, da die Strömung hierfür zu gering sei. Die Dänen bewiesen das Gegenteil. Dänische Fischer fischten mit ihren seetüchtigen kleinen Decksbooten außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer vor Fehmarn mit Treibnetzen und hatten dabei beträchtliche Erfolge. Da die Fänge auch bei uns angelandet wurden, blieb das auch unseren Fischern nicht verborgen. | ||
| - | 1885 fing man an, viele von der Größe her geeigneten Boote einzudecken, | + | [{{ :quase1884.png? |
| - | Diese war wie ein Zeesboot getakelt, der Besanmast führte aber ein kleines Gaffelsegel ohne Giekbaum, oder das alte Sprietsegel. 1889 beschreibt Herr Hinkelmann | + | 1885 fing man an, viele von der Größe her geeigneten Boote einzudecken, um so auch bei schwerem Wetter auf der offenen See fischen zu können. Boote mit Sprietsegeln und entsprechender Größe wurden, wegen der besseren Segeleigenschaft und schlechten Handhabung der großen Sprietbäume, |
| - | Während sich der Buttfang mit Stellnetzen seit 1885 noch mehr verschlechtert hat, während seit Mitte April diesen Jahres mit Buttwaden, deren Zahl jetzt schon gegen 30 beträgt, Massen von Goldbutt - oft 50-60 pro Tag und pro Boot - gefangen werden. Viele der bei diesem Betriebe verwandten Quasen wurden im Laufe der letzten Jahre zum Schutze gegen die Witterungsverhältnisse mit einem Halbdeck versehen. Diese gehören zu den größten Fahrzeugen, welche an unserer Ostküste verwendet werden. Ihre Seetüchtigkeit hat durch Verwendung von Gaffelsegel statt Sprietsegel | + | Diese war wie ein Zeesboot getakelt, der Besanmast führte aber ein kleines Gaffelsegel ohne Giekbaum, oder das alte Sprietsegel. 1889 beschreibt Herr Hinkelmann |
| - | [{{ zum_kutter_umgebaute_quase.jpg? | + | //Während sich der Buttfang mit Stellnetzen seit 1885 noch mehr verschlechtert hat, während seit Mitte April diesen Jahres mit Buttwaden, deren Zahl jetzt schon gegen 30 beträgt, Massen von Goldbutt - oft 50-60 pro Tag und pro Boot - gefangen werden. Viele der bei diesem Betriebe verwandten Quasen wurden im Laufe der letzten Jahre zum Schutze gegen die Witterungsverhältnisse mit einem Halbdeck versehen. Diese gehören zu den größten Fahrzeugen, welche an unserer Ostküste verwendet werden. Ihre Seetüchtigkeit hat durch Verwendung von Gaffelsegel statt Sprietsegel in einer Weise zugenommen, dass bei einigermaßen umsichtiger Leitung die Gefahr des Kenterns der Quasen fast ausgeschlossen ist. Die amtlich eingetragene Zahl der beim Betriebe der Seefischerei von Eckernförde aus benutzten Fahrzeuge beträgt gegenwärtig 237, nämlich 55 Quasen, 123 Boote und 59 Jollen. Mit Jollen werden hier die Waadboote bezeichnet, in Dänemark Smakke-Jolle.// |
| - | Bilder von diesen Booten (Kielquase u. Schwertquase) habe ich in einem Bericht über die Fischerbootregatta von 1901 in Eckernförde gefunden. | + | Bilder von diesen Booten (Kielquase u. Schwertquase) habe ich in einem [[regatta_fuer_fischerboote_anno_1901|Bericht über die Fischerbootregatta von 1901 in Eckernförde]] gefunden. Außer den Quasen nahmen auch Waadboote teil (kleine Boote, mit 2 Sprietsegeln). Die unterschiedliche Bezeichnung für gleiche Bootstypen rührt daher, dass oft die Art der Anwendung der Boote als Typenbezeichnung galt (Zeesenboot, |
| ===== Motorisierung ===== | ===== Motorisierung ===== | ||
| - | [{{ erste_motorquasen_hilfsmotor.jpg?direct& | + | [{{ : |
| Ab etwa 1903 wurden allmählich alle Quasen, wie auch andere Fischereifahrzeuge mit Motoren ausgerüstet (Motorquasen, | Ab etwa 1903 wurden allmählich alle Quasen, wie auch andere Fischereifahrzeuge mit Motoren ausgerüstet (Motorquasen, | ||
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| Für 1911 wurden für die schleswig-holsteinische Fischerei an der Ostseeküste 154 Fahrzeuge mit Motor und 2030 ohne angegeben. Quasen gab es von Grömitz bis Hadersleben, | Für 1911 wurden für die schleswig-holsteinische Fischerei an der Ostseeküste 154 Fahrzeuge mit Motor und 2030 ohne angegeben. Quasen gab es von Grömitz bis Hadersleben, | ||
| - | [{{ motorkutter_1950.jpg?direct& | + | [{{ : |
| Um 1930 muss es noch viele Quasen gegeben haben, man erkennt sie auf alten Fotos an der typischen Rumpfform und dem hufeisenförmigen Beschlag für Driftbaum und Stag. Am Bug waren auch die kleinen Davids für die Treibnetzfischerei angebracht. Durch den Umbau zum Kutter wirkten die Boote größer, auch die Takelung ist verändert worden. Der Giekbaum ging über das sehr weit achtern stehende Ruderhaus. Die Pinnensteuerung wurde mittels Seilzug auf Radsteuerung umgebaut. Der Motor befand sich in einem Verschlag, zwischen Bünn und Ruderhaus. Diese äußerliche Veränderung der Quasen mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Herr Timmermann, der Leiter der schiffskundlichen Abteilung des Altonaer Museums, diese nicht mehr als solche erkannt hat und in seinem Buch 1962, über die nordeuropäischen Fischereifahrzeuge, | Um 1930 muss es noch viele Quasen gegeben haben, man erkennt sie auf alten Fotos an der typischen Rumpfform und dem hufeisenförmigen Beschlag für Driftbaum und Stag. Am Bug waren auch die kleinen Davids für die Treibnetzfischerei angebracht. Durch den Umbau zum Kutter wirkten die Boote größer, auch die Takelung ist verändert worden. Der Giekbaum ging über das sehr weit achtern stehende Ruderhaus. Die Pinnensteuerung wurde mittels Seilzug auf Radsteuerung umgebaut. Der Motor befand sich in einem Verschlag, zwischen Bünn und Ruderhaus. Diese äußerliche Veränderung der Quasen mag vielleicht der Grund dafür sein, dass Herr Timmermann, der Leiter der schiffskundlichen Abteilung des Altonaer Museums, diese nicht mehr als solche erkannt hat und in seinem Buch 1962, über die nordeuropäischen Fischereifahrzeuge, | ||
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| Ich muss natürlich zugeben, dass die Verwandtschaft der alten Kutter mit den Ellerbeker Booten nicht leicht zu erkennen ist, vor allem, wenn man nicht mehr weiß, wie die alten Quasen ausgesehen hatten. Zum Glück gibt es noch einen Bericht des Seefischereivereins, | Ich muss natürlich zugeben, dass die Verwandtschaft der alten Kutter mit den Ellerbeker Booten nicht leicht zu erkennen ist, vor allem, wenn man nicht mehr weiß, wie die alten Quasen ausgesehen hatten. Zum Glück gibt es noch einen Bericht des Seefischereivereins, | ||
| - | [{{ sportboot_2000.jpg? | + | ===== Überfischung durch Modernisierung ===== |
| Herr Hinkelmann, früher selbst Fischer in Eckernförde, | Herr Hinkelmann, früher selbst Fischer in Eckernförde, | ||
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