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Schiffbau in Eckernförde

Der Schiffbau prägt die Geschichte Eckernfördes seit dem Mittelalter. Aus den in den Archiven erhaltenen Bielbriefen – den damaligen Schiffbauverträgen und Eigentumsnachweisen – lässt sich die Entwicklung des Schiffbaus über mehrere Jahrhunderte nachvollziehen. Insgesamt wurden in einem Zeitraum von rund 800 Jahren mindestens 793 Holzschiffe in Eckernförde gebaut.

Schiffbau in Zahlen

Zeitraum Werft / Schiffbauer Gebaute Schiffe
ca. 1200–2000 Gesamter Schiffbau in Eckernförde mindestens 793 Holzschiffe
1731–1816 verschiedene Schiffbaumeister 382 Schiffe
1837–1918 Glasau-Werft 252 Schiffe
1920–1960 Siegfried-Werft mehr als 40 Fahrzeuge

Während des 18. und frühen 19. Jahrhunderts erlebte der Schiffbau in Eckernförde seine größte Blüte. Die beiden Weltkriege, Inflation und wirtschaftliche Krisen führten später zu einem deutlichen Rückgang der Neubauten.

Frühe Schiffbaumeister

Zu den früh bekannten Schiffbauern und Schiffszimmermeistern in Eckernförde gehörten unter anderem:

Die Werftdynastien

Die neuere Werftgeschichte Eckernfördes ist vor allem mit den Familien Arffe, Piepgras, Glasau und Siegfried verbunden.

Arffe und Glasau

Nach dem Tod des Bootsbaumeisters Jacob Christopher Arffe (1757–1812) übernahm sein ehemaliger Lehrling Hans Joachim Glasau im Jahr 1816 die Werft. Sein erstes vollendetes Schiff war die Galeasse AURORA, die Arffe begonnen hatte.

Da Glasau zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Meisterprüfung abgelegt hatte, wurde im ersten Bielbrief zunächst Hermann Pertz als Erbauer genannt. Noch im selben Jahr wurde ein neuer Bielbrief ausgestellt, der Hans Joachim Glasau als Schiffbauer ausweist.

Über mehrere Generationen entwickelte sich daraus die Glasau-Werft, die bis 1918 bestand und in dieser Zeit 252 Schiffe ablieferte.

Die Siegfried-Werft

Ebenfalls im Jahr 1918 gründete Heinrich Siegfried seine Werft am Vogelsang in Eckernförde.

Heinrich Siegfried (*9. Juli 1893 in Brokdorf) hatte den Beruf des Schiffbauers bei Johann Junge in Wewelsfleth erlernt und war anschließend als Schiffszimmermann zur See gefahren. Während des Ersten Weltkriegs diente er als U-Boot- und Tiefseetaucher auf dem in Eckernförde stationierten Bergungsschiff SMS VULKAN.

Am 9. November 1918 machte er sich als Boots- und Schiffbauer selbstständig. Der erste Stapellauf erfolgte am 17. Dezember 1920.

Die Siegfried-Werft baute vor allem Fischkutter für das In- und Ausland, daneben Yachten und zahlreiche Spezialfahrzeuge. Außerdem wurden Marinefahrzeuge instand gesetzt. Heinrich Siegfried engagierte sich darüber hinaus als Obermeister der von ihm mitbegründeten Boots- und Schiffbauer-Innung Flensburg sowie im Gesellen- und Meisterprüfungsausschuss.

Zu den bekanntesten Neubauten zählt das 1959 fertiggestellte Fahrgastschiff SIEGFRIED II.

Das Ende der Werft

Ab 1960 verschlechterte sich die Auftragslage zunehmend. Werkstätten und Hallen wurden teilweise vermietet. Der Werftgründer Heinrich Siegfried starb 1971.

Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren musste die Werft 1990 Konkurs anmelden und stellte ihren Betrieb endgültig ein.