| Allgemeines | |
|---|---|
| Name | KIRSTEN II |
| Fischereikennzeichen | ECKE 4 |
| Unterscheidungssignal | DKRC |
| Eigner | Eckard Michelsen |
| Typ | Stellnetzkutter |
| Baujahr | 1983 |
| Bauwerft | Fåborg-Værft A/S, Dänemark |
| Bauart | GFK |
| Status | Fahrgast- und Traditionsfahrten |
| Technische Daten | |
| Länge | 9,91 m seit 1993: 11,03 m |
| Breite | 3,40 m |
| Tiefgang | 1,20 m |
| Vermessung | bis 1993: 12,0 GT seit 1993: 14,0 GT |
| Maschine | Mercedes-Benz, 90 PS seit 1993 Cummins, 125 PS |
Die KIRSTEN II wurde 1983 auf der Fåborg-Værft A/S in Dänemark als GFK-Stellnetzkutter mit vorn angeordnetem Steuerhaus gebaut.
Eigentümer ist Eckard Michelsen. Das Fahrzeug wurde zunächst für die Stellnetzfischerei eingesetzt. Ab 1993 erhielt der Kutter bei der Werft Ostseedienst Jaich in Kappeln eine neue 125 PS starke Cummins-Maschine sowie eine Verlängerung von 9,91 auf 11,03 Meter.
Neben der Fischerei bot Eckard Michelsen Schulungsfahrten für an der Meeresbiologie interessierte Gäste an.
Seit 1998 wird die KIRSTEN II wieder als Stellnetzkutter eingesetzt und fährt mit Gästen für das Ostsee Info-Center Eckernförde.
Bis 1999 fuhr auch Bernd Gradlowski regelmäßig auf dem Kutter mit. Danach fanden die Gästefahrten von April bis Oktober mit bis zu zwölf Personen statt.
2010 kam die KIRSTEN II als Hafenschlepper zum Einsatz, als der Traditionssegler CATHARINA in die „Lütte Werft“ geschleppt werden musste.
„Diesen Tag werden wir nie vergessen.“
Erlebnisbericht von Bernd Gradlowski über den Seenotfall der KIRSTEN II am 6. Dezember 1985.Am 5. Dezember 1985 hatten Eckard Michelsen und ich rund einhundert Dorsch-Stellnetze vor Surendorf ausgebracht. Am folgenden Morgen liefen wir gegen 3 Uhr mit der nur 9,60 Meter langen KIRSTEN II aus, um die Netze wieder aufzunehmen. Der Wind wehte aus West-Nordwest mit Stärke 6 bis 7. Wir waren der einzige Eckernförder Fischkutter, der bei diesem Wetter noch auf See war.
Nachdem etwa die Hälfte der Netze geborgen war, nahm der Wind innerhalb kürzester Zeit stark zu. Die See wurde weiß vor Schaum und wir mussten die Bergung abbrechen. Die Netzverbindung wurde gekappt und wir versuchten, westlich unter Land in Richtung Booknis Schutz zu suchen.
Auf halbem Weg blieb plötzlich der 90 PS starke Daimler-Dieselmotor stehen. Der Kutter lag nun quer zur See und trieb in Richtung Kieler Leuchtturm. Durch den schweren Seegang stampfte das Schiff heftig und stand kurz vor dem Kentern. Der Netzhaufen an Deck schwamm bereits auf und begann zu verrutschen.
Uns blieb nur noch der Notruf auf UKW-Kanal 16.
Der in Laboe stationierte Seenotrettungskreuzer BERLIN lief sofort aus. Gleichzeitig blieb der Tender SAAR der Bundesmarine, der auf dem Weg von Kiel nach Eckernförde war, in unserer Nähe, um gegebenenfalls die Besatzung aufnehmen zu können.
Nach etwa zwanzig Minuten traf die BERLIN ein. Erst beim dritten Versuch gelang es, mit einer Wurfleine eine Schleppverbindung herzustellen. Anschließend setzte der Tender SAAR seine Fahrt nach Eckernförde fort.
Die BERLIN schleppte uns bis vor den Hafen von Eckernförde und nahm die KIRSTEN II anschließend längsseits, um sie sicher an der Pier festzumachen. Erst dort wurde der Seenotfall offiziell aufgenommen.
Die Ursache des Maschinenausfalls stellte sich später als vergleichsweise einfach heraus: Die KIRSTEN II besaß zwei voneinander getrennte Kraftstofftanks. Während der erste Tank durch den starken Seegang Luft zog, wurde nicht rechtzeitig auf den noch vollen zweiten Tank umgeschaltet. Ein Öffnen des Maschinenraums war wegen der schweren See nicht möglich, da dieser sofort voll Wasser gelaufen wäre. Zudem waren nach den zahlreichen Startversuchen beide Batteriesätze vollständig entladen.
Mannschaft und Schiff konnten glücklicherweise gerettet werden. Allerdings gingen sämtliche Fischkisten sowie alle Bojen der Dorschstellnetze über Bord.
Viele Eckernförder Fischer hatten den Funkverkehr im Hafen mitgehört. Sie waren sich später einig, dass dieser Einsatz nur knapp nicht mit dem Totalverlust des Schiffes endete.
Die verbliebenen Stellnetze konnten zwei Tage später vor Surendorf geborgen werden.
Fazit von Bernd Gradlowski: „Aus Fehlern lernt man immer.“
Hinweis: Durch die Verlängerung des Rumpfes im Jahr 1993 veränderte sich das Erscheinungsbild der KIRSTEN II erheblich. Nach Einschätzung von Ralf Trümner ist das ursprüngliche Fahrzeug auf späteren Fotos nur noch am charakteristischen Steuerhaus eindeutig wiederzuerkennen.