~~NOTOC~~
**„Diesen Tag werden wir nie vergessen.“** ''Erlebnisbericht von Bernd Gradlowski über den Seenotfall der **KIRSTEN II** am 6. Dezember 1985.'' Am **5. Dezember 1985** hatten Eckard Michelsen und ich rund einhundert Dorsch-Stellnetze vor **Surendorf** ausgebracht. Am folgenden Morgen liefen wir gegen **3 Uhr** mit der nur **9,60 Meter** langen **KIRSTEN II** aus, um die Netze wieder aufzunehmen. Der Wind wehte aus West-Nordwest mit Stärke **6 bis 7**. Wir waren der einzige Eckernförder Fischkutter, der bei diesem Wetter noch auf See war. Nachdem etwa die Hälfte der Netze geborgen war, nahm der Wind innerhalb kürzester Zeit stark zu. Die See wurde weiß vor Schaum und wir mussten die Bergung abbrechen. Die Netzverbindung wurde gekappt und wir versuchten, westlich unter Land in Richtung **Booknis** Schutz zu suchen. Auf halbem Weg blieb plötzlich der **90 PS starke Daimler-Dieselmotor** stehen. Der Kutter lag nun quer zur See und trieb in Richtung **Kieler Leuchtturm**. Durch den schweren Seegang stampfte das Schiff heftig und stand kurz vor dem Kentern. Der Netzhaufen an Deck schwamm bereits auf und begann zu verrutschen. Uns blieb nur noch der Notruf auf **UKW-Kanal 16**. Der in Laboe stationierte Seenotrettungskreuzer **BERLIN** lief sofort aus. Gleichzeitig blieb der Tender **SAAR** der Bundesmarine, der auf dem Weg von Kiel nach Eckernförde war, in unserer Nähe, um gegebenenfalls die Besatzung aufnehmen zu können. Nach etwa zwanzig Minuten traf die **BERLIN** ein. Erst beim dritten Versuch gelang es, mit einer Wurfleine eine Schleppverbindung herzustellen. Anschließend setzte der Tender **SAAR** seine Fahrt nach Eckernförde fort. [{{:kutter:tendersaar.jpg?340|Der Tender SAAR der Bundesmarine, der auf dem Weg von Kiel nach Eckernförde war, hatte uns gesehen und blieb auf unserer Position, falls wir den Kutter hätten verlassen müssen. }}] Die **BERLIN** schleppte uns bis vor den Hafen von Eckernförde und nahm die **KIRSTEN II** anschließend längsseits, um sie sicher an der Pier festzumachen. Erst dort wurde der Seenotfall offiziell aufgenommen. [{{:kutter:berlin.jpg?340|Links: BERLIN, i. D. bis 2017. – Rechts die neue BERLIN, höherer Fahrstand, i. D. 4.2.2017.}}] Die Ursache des Maschinenausfalls stellte sich später als vergleichsweise einfach heraus: Die **KIRSTEN II** besaß zwei voneinander getrennte Kraftstofftanks. Während der erste Tank durch den starken Seegang Luft zog, wurde nicht rechtzeitig auf den noch vollen zweiten Tank umgeschaltet. Ein Öffnen des Maschinenraums war wegen der schweren See nicht möglich, da dieser sofort voll Wasser gelaufen wäre. Zudem waren nach den zahlreichen Startversuchen beide Batteriesätze vollständig entladen. Mannschaft und Schiff konnten glücklicherweise gerettet werden. Allerdings gingen sämtliche Fischkisten sowie alle Bojen der Dorschstellnetze über Bord. Viele Eckernförder Fischer hatten den Funkverkehr im Hafen mitgehört. Sie waren sich später einig, dass dieser Einsatz nur knapp nicht mit dem Totalverlust des Schiffes endete. Die verbliebenen Stellnetze konnten zwei Tage später vor Surendorf geborgen werden. **Fazit von Bernd Gradlowski:** „Aus Fehlern lernt man immer.“[{{:kutter:kirsten_ii1.jpg?direct&340|Die **KIRSTEN II (ECKE 4)** als Stellnetzkutter.}}][{{:kutter:kirsten_ii3.jpg?direct&340|Gruppenbild im Eckernförder Hafen. Ganz rechts liegt die **KIRSTEN II (ECKE 4)**. Links sind **SCHWALBE (ECKE 15)**, **CHRISTA (ECKE 3)** und **ERIK RASMUS (ECKE 6)** zu sehen. Foto: Hehnen / Presse Eckernförde.}}] [{{:kutter:kirsten_ii4.jpg?direct&340|Eckard Michelsen mit einem erfolgreichen Fang an Bord der **KIRSTEN II** (1998). Foto: Sammlung Bernd Gradlowski.}}]