die_geschichte_einer_quase
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| |Dieser Artikel berichtet, wie der Segler Dierk Bobzin zufällig entdeckt, dass er Eigner der letzten bekannten Eckernförder Quase ist – und wie er nach und nach die Geschichte dieses besonderen Eckernförder Bootstyps rekonstruiert. Erstmalig erschienen ist der Beitrag im Seglermagazin [[https:// | |Dieser Artikel berichtet, wie der Segler Dierk Bobzin zufällig entdeckt, dass er Eigner der letzten bekannten Eckernförder Quase ist – und wie er nach und nach die Geschichte dieses besonderen Eckernförder Bootstyps rekonstruiert. Erstmalig erschienen ist der Beitrag im Seglermagazin [[https:// | ||
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| Im NOK müssen wir tanken, aber wir können ja nicht aufstoppen und rammen den Steg. Der Steg bleibt heil, aber mein Gesäß kracht so auf die Kante der Backskiste, dass mir schwarz vor Augen wird. Übernachten ist an der Elbe in Neufeld angesagt, aber wir kommen bei ablaufendem Wasser nicht mehr über die Wattkante und müssen die Flut abwarten. Sehr gemütlich in Neufeld, in der urigen Fischerkneipe wird erst einmal der Durst gelöscht. Der Rest der Reise verläuft dann ohne Probleme. | Im NOK müssen wir tanken, aber wir können ja nicht aufstoppen und rammen den Steg. Der Steg bleibt heil, aber mein Gesäß kracht so auf die Kante der Backskiste, dass mir schwarz vor Augen wird. Übernachten ist an der Elbe in Neufeld angesagt, aber wir kommen bei ablaufendem Wasser nicht mehr über die Wattkante und müssen die Flut abwarten. Sehr gemütlich in Neufeld, in der urigen Fischerkneipe wird erst einmal der Durst gelöscht. Der Rest der Reise verläuft dann ohne Probleme. | ||
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| Meine Vereinskollegen bedauern mich und machen schon Vorschläge für den neuen Namen. „Schwammi“, | Meine Vereinskollegen bedauern mich und machen schon Vorschläge für den neuen Namen. „Schwammi“, | ||
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| Im Herbst wird es noch mal spannend: Als der Kran zupackt, knirscht es mächtig, der Rumpf wird etwas schmaler, bricht aber nicht durch. Geschafft, endlich heil an Land. Nächstes Jahr gibt es viel zu tun. Die Schanz muss samt Stützen neu, und der Rumpf? Ich entscheide mich für ein Totenkleid (glasfaserverstärktes Polyester). Nun die Planken schleifen, der Teer setzt die Schleifscheiben zu, das ist mühsam und gibt schwarze Sommersprossen. In die Plankenübergänge (Klinker) nagele ich Dreikantleisten, | Im Herbst wird es noch mal spannend: Als der Kran zupackt, knirscht es mächtig, der Rumpf wird etwas schmaler, bricht aber nicht durch. Geschafft, endlich heil an Land. Nächstes Jahr gibt es viel zu tun. Die Schanz muss samt Stützen neu, und der Rumpf? Ich entscheide mich für ein Totenkleid (glasfaserverstärktes Polyester). Nun die Planken schleifen, der Teer setzt die Schleifscheiben zu, das ist mühsam und gibt schwarze Sommersprossen. In die Plankenübergänge (Klinker) nagele ich Dreikantleisten, | ||
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| Also erst einmal planen: Maschine, Ruderhaus, Kajüte müssen neu. Niedergang vom Ruderhaus, Durchgang in die Piek und Toilette bei den Kojen anlegen. Jedenfalls ist jede Menge Arbeit in Sicht. Die Maschine wird ausgebaut und zerlegt. Beide Ölpumpen sind von Seewasser zerfressen, mein Vorgänger hat also den Kahn einmal absaufen lassen. Was ist zu tun? Ich entscheide mich für einen anderen Motor, und bekomme von einem Vereinskollegen günstig einen älteren Sechs-Zylinder Daimler. Der Einbau ist nicht einfach, es müssen Hebewerkzeuge gebaut und einiges geändert werden. Der alte Wärmetauscher für die Kühlung arbeitet nicht (Fehlkonstruktion). Ein alter Büssing-Ölkühler funktioniert jedoch prima. Einige Lagen Polyester machen den Rumpf wieder dicht und geben zusätzlich Stabilität. | Also erst einmal planen: Maschine, Ruderhaus, Kajüte müssen neu. Niedergang vom Ruderhaus, Durchgang in die Piek und Toilette bei den Kojen anlegen. Jedenfalls ist jede Menge Arbeit in Sicht. Die Maschine wird ausgebaut und zerlegt. Beide Ölpumpen sind von Seewasser zerfressen, mein Vorgänger hat also den Kahn einmal absaufen lassen. Was ist zu tun? Ich entscheide mich für einen anderen Motor, und bekomme von einem Vereinskollegen günstig einen älteren Sechs-Zylinder Daimler. Der Einbau ist nicht einfach, es müssen Hebewerkzeuge gebaut und einiges geändert werden. Der alte Wärmetauscher für die Kühlung arbeitet nicht (Fehlkonstruktion). Ein alter Büssing-Ölkühler funktioniert jedoch prima. Einige Lagen Polyester machen den Rumpf wieder dicht und geben zusätzlich Stabilität. | ||
| - | Nach zwei Jahren ist das Boot einigermaßen fahrbereit und die ersten Probefahrten können unternommen werden. Erstes Aufstoppen und der Propeller ist und bleibt weg – Keil fehlte. Im Sommer ist die erste Reise geplant, mit Familie und Gästen an Bord. Sicherheitshalber fahren wir mit zwei Booten. Das ist auch nötig, vor Travemünde bricht ein Flansch der Schraubenwelle. Getriebe ausbauen, schweißen lassen und weiter. Vor Rudkøbing in Dänemark der gleiche Ärger. Die Ursache: Das Motorfundament muss etwas angehoben werden. Dieser Fehler wird nun beseitigt und es gibt keine größeren Pannen mehr – oh wie schön ist doch die Seefahrt! | + | [{{ : |
| - | [{{ lab28_erste_umbauphase_bille.jpg? | + | Nach zwei Jahren ist das Boot einigermaßen fahrbereit und die ersten Probefahrten können unternommen werden. Erstes Aufstoppen und der Propeller ist und bleibt weg – Keil fehlte. Im Sommer ist die erste Reise geplant, mit Familie und Gästen an Bord. Sicherheitshalber fahren wir mit zwei Booten. Das ist auch nötig, vor Travemünde bricht ein Flansch der Schraubenwelle. Getriebe ausbauen, schweißen lassen und weiter. Vor Rudkøbing in Dänemark der gleiche Ärger. Die Ursache: Das Motorfundament muss etwas angehoben werden. Dieser Fehler wird nun beseitigt und es gibt keine größeren Pannen mehr – oh wie schön ist doch die Seefahrt! |
| In Flensburg ist es auch noch nett. Im Yachthafen können wir nur vorwärts anlegen, das ist schlecht, weil der Bug sehr hoch und weit überhängend ist und man deshalb schlecht von Bord kommt. Als wir abends vom Stadtbummel zurückkommen, | In Flensburg ist es auch noch nett. Im Yachthafen können wir nur vorwärts anlegen, das ist schlecht, weil der Bug sehr hoch und weit überhängend ist und man deshalb schlecht von Bord kommt. Als wir abends vom Stadtbummel zurückkommen, | ||
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| Bekannt ist mir lediglich der Name des letzten Eigners, die neue Adresse herauszufinden, | Bekannt ist mir lediglich der Name des letzten Eigners, die neue Adresse herauszufinden, | ||
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| Ich setze also eine Kleinanzeige in die Kieler Nachrichten: | Ich setze also eine Kleinanzeige in die Kieler Nachrichten: | ||
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| Das Studieren der Schiffslisten ist auch sonst noch interessant, | Das Studieren der Schiffslisten ist auch sonst noch interessant, | ||
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| Nun beginne ich erst einmal alles über alte Fischereifahrzeuge der Ostsee zu sammeln und suche in Archiven vom ehemaligen Altonaer Fischereimuseum und im Kieler Stadtarchiv, | Nun beginne ich erst einmal alles über alte Fischereifahrzeuge der Ostsee zu sammeln und suche in Archiven vom ehemaligen Altonaer Fischereimuseum und im Kieler Stadtarchiv, | ||
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| Trotz fehlender Literatur ist die Geschichte der Quasen, den ersten Ostseefischkuttern, | Trotz fehlender Literatur ist die Geschichte der Quasen, den ersten Ostseefischkuttern, | ||
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| Die alte Methode, die Fische in von kleinen Booten nachgeschleppten Fischkästen (Hütfässern) zu transportieren, | Die alte Methode, die Fische in von kleinen Booten nachgeschleppten Fischkästen (Hütfässern) zu transportieren, | ||
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| Der Eckernförder Segelclub veranstaltete 1901 eine Fischerbootregatta, | Der Eckernförder Segelclub veranstaltete 1901 eine Fischerbootregatta, | ||
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| 1898 gab es in Schleswig-Holstein noch 489 Quasen. Um 1960 wurden die letzten abgewrackt und es ist ein glücklicher Zufall, dass wenigstens noch ein Boot erhalten ist, so ist doch noch ein Stück norddeutscher Landesgeschichte nicht für immer verloren. Bis 1999 fuhr mein Kutter als Motorboot. | 1898 gab es in Schleswig-Holstein noch 489 Quasen. Um 1960 wurden die letzten abgewrackt und es ist ein glücklicher Zufall, dass wenigstens noch ein Boot erhalten ist, so ist doch noch ein Stück norddeutscher Landesgeschichte nicht für immer verloren. Bis 1999 fuhr mein Kutter als Motorboot. | ||
| - | ==== Wieder unter Segeln ==== | + | ===== Wieder unter Segeln ===== |
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| Sehr angetan war ich auch von Gerd Bükers Artikeln in // | Sehr angetan war ich auch von Gerd Bükers Artikeln in // | ||
| - | Nächsten Sommer sollte angesegelt werden, Stefan, mein Schwiegersohn kam mit. Von Neustadt aus wollten wir die ersten Erfahrungen sammeln. Stefan begriff schnell, worauf es ankam und packte tüchtig zu. Ich merkte, das Gaffelsegeln ist doch nicht so einfach, denn viele Kniffe und Tricks sind nötig. In Neustadt fanden wir ein ausgezeichnetes Buch: „Oldtimersegeln“ von Tom Cunliffe, das passte gut. Abends studieren und tagsüber probieren. Nun kamen wir einigermaßen klar und eroberten die Lübecker Bucht. Der Wind war ganz ordentlich, und zu unserer Freude lief das Boot unter Segeln ausgezeichnet. Während wir unter Motor immer ordentlich zu Kehr gegangen waren, laufen wir jetzt ruhig wie Oma Deiters beim Milch holen. | + | <WRAP right round box 320px> |
| - | Mutig geworden meldeten wir uns für das nächste Jahr zum Captain’s Cup in Lübeck an. Klappte auch alles gut, bis zur Regatta. Dass wir noch keine Weltmeister waren, war uns längst klar, aber dabei sein ist alles. Beim Start vor Brodten ging es schon los, die Mastringe waren zu knapp und das Groß war nicht hinauf zu bekommen. Endlich mit zwei Reffs waren wir startklar, aber das Startschiff war längst weg und das Feld am Horizont fast verschwunden. „Nu gib aber Schubrakete“, | + | ===== LAB 28 ===== |
| - | Hier sollte als Aufgabe ein Maisbeutel an das längsseits liegende Startschiff übergeben werden, von uns aus in Lee, das wurde knapp. Ich dachte, das wird ein Volltreffer, | + | {{ quasaevivikaheute.jpg?300 |LAB 28 / GABRIELE}} |
| - | [{{ lab28_vivika_segelriss.jpg? | + | ^ Allgemeines ^^ |
| + | | **Name** | GABRIELE / VIVIKA | | ||
| + | | **Fischereikennzeichen** | LAB 28 | | ||
| + | | **Typ** | ||
| + | | **Baujahr** | ca. 1870 | | ||
| + | | **Bauwerft** | vermutlich Glasau, Eckernförde | | ||
| + | | **Bauweise** | Eiche-Klinker | | ||
| + | | **Ehemaliger Heimathafen** | Laboe | | ||
| + | | **Status** | Rumpf erhalten, anzusehen im Museumshafen Probstei | | ||
| + | ^ Technische Daten ^^ | ||
| + | | **Länge** | 10,98 m | | ||
| + | | **Breite** | 3,30 m | | ||
| + | | **Tiefe** | 1,70 m | | ||
| + | | **Tiefgang** | 1,00 m | | ||
| + | | **Spantenweite** | 2 Fuß | | ||
| + | | **Plankenstärke** | 1 Zoll | | ||
| + | | **Plankenhöhe** | 1 Fuß | | ||
| + | | **Planken** | Eiche-Klinker, | ||
| + | | **Nietung** | Kupfer | | ||
| + | | **Plankengänge** | 10 | | ||
| + | | **Segelfläche** | 176 m² | | ||
| + | | **Kiellänge** | 8,25 m | | ||
| + | | **Kiellänge vor Motorisierung** | 7,50 m | | ||
| - | Dann wurde es aber doch noch ungemütlich, denn da wir das Beidrehen noch nicht geübt hatten, wollten wir unter Motor Segel bergen. Wegen des Windes ließ sich das Großsegel kaum dichtholen | + | </ |
| + | Nächsten Sommer sollte angesegelt werden, Stefan, mein Schwiegersohn kam mit. Von Neustadt aus wollten wir die ersten Erfahrungen sammeln. Stefan begriff schnell, worauf es ankam und packte tüchtig zu. Ich merkte, | ||
| - | ===== Technische Daten ===== | + | Mutig geworden meldeten wir uns für das nächste Jahr zum Captain’s Cup in Lübeck an. Klappte auch alles gut, bis zur Regatta. Dass wir noch keine Weltmeister waren, war uns längst klar, aber dabei sein ist alles. Beim Start vor Brodten ging es schon los, die Mastringe waren zu knapp und das Groß war nicht hinauf zu bekommen. Endlich mit zwei Reffs waren wir startklar, aber das Startschiff war längst weg und das Feld am Horizont fast verschwunden. „Nu gib aber Schubrakete“, |
| + | Hier sollte als Aufgabe ein Maisbeutel an das längsseits liegende Startschiff übergeben werden, von uns aus in Lee, das wurde knapp. Ich dachte, das wird ein Volltreffer, | ||
| - | * Länge: 10,98 m | + | Dann wurde es aber doch noch ungemütlich, denn da wir das Beidrehen noch nicht geübt hatten, wollten wir unter Motor Segel bergen. Wegen des Windes ließ sich das Großsegel kaum dichtholen und auch nicht Kurs halten. Plötzlich gaben die Wanten nach und der Mast fing an zu tanzen. Nun aber fix die Plünnen runter und die Wanten mit zwei Stroppen sichern – gerade noch mal gut gegangen. Der Rest war ein Kinderspiel. Wir ließen uns die gute Laune nicht verderben und feierten erst einmal in Lübeck mit. Das Mastband war abgerutscht, weil zwei dicke Bolzen brachen, das gab Probleme beim Mastlegen, aber auch das haben wir geregelt. Uns hat diese Reise sehr viel Spaß und Erfahrung gebracht. Ich kann jetzt nachvollziehen, was Oberfischmeister Hinkelmann, selbst einst Fischer in Eckernförde, einst vor 130 Jahren über Schleswig-Holsteiner Fischerquasen und ihre hervorragenden Segeleigenschaften berichtet hat. |
| - | * Breite: 3,30 m | + | |
| - | * Tiefe: 1,70 m | + | |
| - | * Tiefgang: 1 m | + | |
| - | * Spantenweite: | + | |
| - | * Plankenstärke: | + | |
| - | * Plankenhöhe: | + | |
| - | * Planken: Eiche-Klinker, vorn, achtern | + | |
| - | * Nietung: Kupfer | + | |
| - | * Plankengänge: | + | |
| - | * Segelfläche gesamt: 176 m² | + | |
| - | * Kiellänge: 8,25 m | + | |
| - | * Kiellänge vor Motorisierung: | + | |
| - | * Bauwerft: vermutlich Glasau, Eckernförde | + | |
| - | * Baujahr: ca. 1870 | + | |
| - | Das Boot wurde 1909 nach Laboe verkauft und war dort bis 1938 als LAB 28 in der Fischerei eingesetzt. | ||
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