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die_geschichte_einer_quase

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die_geschichte_einer_quase [2026/07/07 20:50] – [Beschreibung der Kieler Quase] martindie_geschichte_einer_quase [2026/07/08 18:41] (aktuell) martin
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 ~~NOTOC~~ ~~NOTOC~~
  
-====== LAB 28 – Die Geschichte einer Quase ======+|Dieser Artikel berichtet, wie der Segler Dierk Bobzin zufällig entdeckt, dass er Eigner der letzten bekannten Eckernförder Quase ist – und wie er nach und nach die Geschichte dieses besonderen Eckernförder Bootstyps rekonstruiert. Erstmalig erschienen ist der Beitrag im Seglermagazin [[https://piekfall.de/|PIEKFALL]].|
  
-===Bericht von Dierk Bobzin===+{{ :quasaevivikaheute.jpg |}} 
 +====== Die Geschichte einer Quase ======
  
-[{{ lab28_gabriele_laboe_1960er.jpg?direct&400 |Quase VIVIKA ex GABRIELE Anfang der 1960er Jahre in Laboe. Fotos: Dierk Bobzin. }}]+===Bericht von Dierk Bobzin===
  
 Es ist das Jahr 1978, ich bin stolzer Besitzer eines alten 20er Jollenkreuzers und habe in den letzten Jahren bereits einige Fahrten von Hamburg aus nach Dänemark unternommen. Frau und Kinder sind vom Segeln nicht so recht begeistert und bezeichnen mich schon als Katastrophenschiffer. Das macht mir zwar nicht besonders viel aus, aber um des lieben Friedens willen soll nun ein Motorboot gesucht werden, um so der Schieflage und der vielen Tüdelei zu entkommen. Ich studiere also unser Anzeigenblatt und finde einen schön billigen Kutter, der zum Verkauf in Laboe steht. Ansehen kostet ja nichts, darum nichts wie hin. Es ist das Jahr 1978, ich bin stolzer Besitzer eines alten 20er Jollenkreuzers und habe in den letzten Jahren bereits einige Fahrten von Hamburg aus nach Dänemark unternommen. Frau und Kinder sind vom Segeln nicht so recht begeistert und bezeichnen mich schon als Katastrophenschiffer. Das macht mir zwar nicht besonders viel aus, aber um des lieben Friedens willen soll nun ein Motorboot gesucht werden, um so der Schieflage und der vielen Tüdelei zu entkommen. Ich studiere also unser Anzeigenblatt und finde einen schön billigen Kutter, der zum Verkauf in Laboe steht. Ansehen kostet ja nichts, darum nichts wie hin.
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 Im NOK müssen wir tanken, aber wir können ja nicht aufstoppen und rammen den Steg. Der Steg bleibt heil, aber mein Gesäß kracht so auf die Kante der Backskiste, dass mir schwarz vor Augen wird. Übernachten ist an der Elbe in Neufeld angesagt, aber wir kommen bei ablaufendem Wasser nicht mehr über die Wattkante und müssen die Flut abwarten. Sehr gemütlich in Neufeld, in der urigen Fischerkneipe wird erst einmal der Durst gelöscht. Der Rest der Reise verläuft dann ohne Probleme. Im NOK müssen wir tanken, aber wir können ja nicht aufstoppen und rammen den Steg. Der Steg bleibt heil, aber mein Gesäß kracht so auf die Kante der Backskiste, dass mir schwarz vor Augen wird. Übernachten ist an der Elbe in Neufeld angesagt, aber wir kommen bei ablaufendem Wasser nicht mehr über die Wattkante und müssen die Flut abwarten. Sehr gemütlich in Neufeld, in der urigen Fischerkneipe wird erst einmal der Durst gelöscht. Der Rest der Reise verläuft dann ohne Probleme.
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 +[{{ :gabriele2.png?240|Nicht SCHWAMMI oder VERSUPER, VIVIKA soll das gute Stück heißen. }}]
  
 Meine Vereinskollegen bedauern mich und machen schon Vorschläge für den neuen Namen. „Schwammi“, „U-Boot“, „Versuper“ usw., aber es soll VIVIKA nach meiner jüngsten Tochter heißen. Die Tauchpumpe muss erst mal bleiben. Jollenkreuzer verkauft und an die Arbeit: Schanzkleid abreißen. An Steuerbord muss eine Planke neu. Beim Anbohren stehe ich natürlich auf der losen Planke, diese wackelt und kippt, ich mache einen Salto rückwärts in die Bille, mit laufender Bohrmaschine. Anscheinend bin ich ein absoluter Schnelltaucher, denn in die Maschine ist kaum Wasser eingedrungen und die Arbeit kann weitergehen, es ist ja Hochsommer und alles trocknet schnell. Meine Vereinskollegen bedauern mich und machen schon Vorschläge für den neuen Namen. „Schwammi“, „U-Boot“, „Versuper“ usw., aber es soll VIVIKA nach meiner jüngsten Tochter heißen. Die Tauchpumpe muss erst mal bleiben. Jollenkreuzer verkauft und an die Arbeit: Schanzkleid abreißen. An Steuerbord muss eine Planke neu. Beim Anbohren stehe ich natürlich auf der losen Planke, diese wackelt und kippt, ich mache einen Salto rückwärts in die Bille, mit laufender Bohrmaschine. Anscheinend bin ich ein absoluter Schnelltaucher, denn in die Maschine ist kaum Wasser eingedrungen und die Arbeit kann weitergehen, es ist ja Hochsommer und alles trocknet schnell.
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-[{{ lab28_vivika_heck.jpg?direct&400 |Nicht SCHWAMMI oder VERSUPER, VIVIKA soll das gute Stück heißen. }}] 
  
 Im Herbst wird es noch mal spannend: Als der Kran zupackt, knirscht es mächtig, der Rumpf wird etwas schmaler, bricht aber nicht durch. Geschafft, endlich heil an Land. Nächstes Jahr gibt es viel zu tun. Die Schanz muss samt Stützen neu, und der Rumpf? Ich entscheide mich für ein Totenkleid (glasfaserverstärktes Polyester). Nun die Planken schleifen, der Teer setzt die Schleifscheiben zu, das ist mühsam und gibt schwarze Sommersprossen. In die Plankenübergänge (Klinker) nagele ich Dreikantleisten, damit die Fasermatten nicht zu sehr knicken und sich dadurch lösen. Für die Polyesterarbeiten ist es schon zu kalt, das wird auf den nächsten Sommer verschoben. Aber für die Technik reicht es noch, also die Maschine untersuchen. Nichts zu machen, sie bleibt stehen. Im Herbst wird es noch mal spannend: Als der Kran zupackt, knirscht es mächtig, der Rumpf wird etwas schmaler, bricht aber nicht durch. Geschafft, endlich heil an Land. Nächstes Jahr gibt es viel zu tun. Die Schanz muss samt Stützen neu, und der Rumpf? Ich entscheide mich für ein Totenkleid (glasfaserverstärktes Polyester). Nun die Planken schleifen, der Teer setzt die Schleifscheiben zu, das ist mühsam und gibt schwarze Sommersprossen. In die Plankenübergänge (Klinker) nagele ich Dreikantleisten, damit die Fasermatten nicht zu sehr knicken und sich dadurch lösen. Für die Polyesterarbeiten ist es schon zu kalt, das wird auf den nächsten Sommer verschoben. Aber für die Technik reicht es noch, also die Maschine untersuchen. Nichts zu machen, sie bleibt stehen.
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 Also erst einmal planen: Maschine, Ruderhaus, Kajüte müssen neu. Niedergang vom Ruderhaus, Durchgang in die Piek und Toilette bei den Kojen anlegen. Jedenfalls ist jede Menge Arbeit in Sicht. Die Maschine wird ausgebaut und zerlegt. Beide Ölpumpen sind von Seewasser zerfressen, mein Vorgänger hat also den Kahn einmal absaufen lassen. Was ist zu tun? Ich entscheide mich für einen anderen Motor, und bekomme von einem Vereinskollegen günstig einen älteren Sechs-Zylinder Daimler. Der Einbau ist nicht einfach, es müssen Hebewerkzeuge gebaut und einiges geändert werden. Der alte Wärmetauscher für die Kühlung arbeitet nicht (Fehlkonstruktion). Ein alter Büssing-Ölkühler funktioniert jedoch prima. Einige Lagen Polyester machen den Rumpf wieder dicht und geben zusätzlich Stabilität. Also erst einmal planen: Maschine, Ruderhaus, Kajüte müssen neu. Niedergang vom Ruderhaus, Durchgang in die Piek und Toilette bei den Kojen anlegen. Jedenfalls ist jede Menge Arbeit in Sicht. Die Maschine wird ausgebaut und zerlegt. Beide Ölpumpen sind von Seewasser zerfressen, mein Vorgänger hat also den Kahn einmal absaufen lassen. Was ist zu tun? Ich entscheide mich für einen anderen Motor, und bekomme von einem Vereinskollegen günstig einen älteren Sechs-Zylinder Daimler. Der Einbau ist nicht einfach, es müssen Hebewerkzeuge gebaut und einiges geändert werden. Der alte Wärmetauscher für die Kühlung arbeitet nicht (Fehlkonstruktion). Ein alter Büssing-Ölkühler funktioniert jedoch prima. Einige Lagen Polyester machen den Rumpf wieder dicht und geben zusätzlich Stabilität.
  
-Nach zwei Jahren ist das Boot einigermaßen fahrbereit und die ersten Probefahrten können unternommen werdenErstes Aufstoppen und der Propeller ist und bleibt weg – Keil fehlteIm Sommer ist die erste Reise geplant, mit Familie und Gästen an Bord. Sicherheitshalber fahren wir mit zwei Booten. Das ist auch nötig, vor Travemünde bricht ein Flansch der Schraubenwelle. Getriebe ausbauen, schweißen lassen und weiter. Vor Rudkøbing in Dänemark der gleiche Ärger. Die Ursache: Das Motorfundament muss etwas angehoben werdenDieser Fehler wird nun beseitigt und es gibt keine größeren Pannen mehr – oh wie schön ist doch die Seefahrt!+[{{ :vivikaalslustboot.png?240|Quase Vivika auf der Bille während ihres Umbaus zu einem Lustboot ca1980.}}]
  
-[{{ lab28_erste_umbauphase_bille.jpg?direct&400 |Erste Umbauphase auf der Bille}}]+Nach zwei Jahren ist das Boot einigermaßen fahrbereit und die ersten Probefahrten können unternommen werdenErstes Aufstoppen und der Propeller ist und bleibt weg – Keil fehlteIm Sommer ist die erste Reise geplant, mit Familie und Gästen an Bord. Sicherheitshalber fahren wir mit zwei Booten. Das ist auch nötig, vor Travemünde bricht ein Flansch der Schraubenwelle. Getriebe ausbauen, schweißen lassen und weiter. Vor Rudkøbing in Dänemark der gleiche Ärger. Die Ursache: Das Motorfundament muss etwas angehoben werden. Dieser Fehler wird nun beseitigt und es gibt keine größeren Pannen mehr – oh wie schön ist doch die Seefahrt!
  
 In Flensburg ist es auch noch nett. Im Yachthafen können wir nur vorwärts anlegen, das ist schlecht, weil der Bug sehr hoch und weit überhängend ist und man deshalb schlecht von Bord kommt. Als wir abends vom Stadtbummel zurückkommen, muss unsere Bekannte, eine etwas gewichtigere Dame, an Bord. Ich bin oben und ziehe, ihr Gatte steht unten und schiebt. Ich verliere das Gleichgewicht und wir fallen kopfüber ins dunkle Hafenbecken. Die Brille der Dame ist weg und ihre Nase blutet. Wir legen sie erst einmal auf den Steg. Ein großer schwarzer Hund kommt vorbei und leckt ihr das Gesicht. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. In Flensburg ist es auch noch nett. Im Yachthafen können wir nur vorwärts anlegen, das ist schlecht, weil der Bug sehr hoch und weit überhängend ist und man deshalb schlecht von Bord kommt. Als wir abends vom Stadtbummel zurückkommen, muss unsere Bekannte, eine etwas gewichtigere Dame, an Bord. Ich bin oben und ziehe, ihr Gatte steht unten und schiebt. Ich verliere das Gleichgewicht und wir fallen kopfüber ins dunkle Hafenbecken. Die Brille der Dame ist weg und ihre Nase blutet. Wir legen sie erst einmal auf den Steg. Ein großer schwarzer Hund kommt vorbei und leckt ihr das Gesicht. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
  
 Wieder zuhause folgen noch weitere Umbauten: neues Ruderhaus, Schanzkleid und Innenausbau. Urlaubsreisen nach Dänemark und Touren auf der Elbe werden unternommen, – nichts Besonderes, alles im Lot auf dem Boot. Wieder zuhause folgen noch weitere Umbauten: neues Ruderhaus, Schanzkleid und Innenausbau. Urlaubsreisen nach Dänemark und Touren auf der Elbe werden unternommen, – nichts Besonderes, alles im Lot auf dem Boot.
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 +===== Die Geschichte der Vivika wird erforscht =====
  
 20 Jahre sind vergangen, ich bin inzwischen mehrfacher Großvater. Den Kutter hätte ich beinahe einmal verkauft. Was dieses eigentlich für ein Boot ist, hat mich bisher nicht gekümmert, die Rumpfform ist für einen Kutter jedoch zumindest ungewöhnlich. Bug und Heck hängen weit über und sind stark erhöht. Für Sportboote ist jetzt Registrierungspflicht. Ein wenig ärgert mich, dass ich dafür keine Angaben machen kann. Baujahr unbekannt, Bauwerft unbekannt, usw. Als das Zertifikat erneuert werden muss, beschließe ich Ahnenforschung zu betreiben. 20 Jahre sind vergangen, ich bin inzwischen mehrfacher Großvater. Den Kutter hätte ich beinahe einmal verkauft. Was dieses eigentlich für ein Boot ist, hat mich bisher nicht gekümmert, die Rumpfform ist für einen Kutter jedoch zumindest ungewöhnlich. Bug und Heck hängen weit über und sind stark erhöht. Für Sportboote ist jetzt Registrierungspflicht. Ein wenig ärgert mich, dass ich dafür keine Angaben machen kann. Baujahr unbekannt, Bauwerft unbekannt, usw. Als das Zertifikat erneuert werden muss, beschließe ich Ahnenforschung zu betreiben.
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 Bekannt ist mir lediglich der Name des letzten Eigners, die neue Adresse herauszufinden, auch kein Problem. Der Herr kennt den Vorbesitzer jedoch nicht mehr und weiß auch nichts über das Boot, außer, dass es einmal einen alten zirka 8 PS Glühkopfmotor besaß, den er verschrottet hat. Dessen Vorbesitzer hat mich 1978 einmal in Laboe angesprochen, er war aus Kiel, seinen Namen habe ich mir jedoch leider nicht geben lassen. Bekannt ist mir lediglich der Name des letzten Eigners, die neue Adresse herauszufinden, auch kein Problem. Der Herr kennt den Vorbesitzer jedoch nicht mehr und weiß auch nichts über das Boot, außer, dass es einmal einen alten zirka 8 PS Glühkopfmotor besaß, den er verschrottet hat. Dessen Vorbesitzer hat mich 1978 einmal in Laboe angesprochen, er war aus Kiel, seinen Namen habe ich mir jedoch leider nicht geben lassen.
  
 +[{{ :gabriele1.png?240|Quase Vivika als Fischkutter Gabriele Anfang der 1960er Jahre in Laboe.}}]
 +[{{ :gabriele3.png?240|Man beachte die starke Vorstevenneigung der Gabriele im Vergleich zu den anderen Kuttern. Er macht sie als ehemalige Quase erkennbar.}}]
 Ich setze also eine Kleinanzeige in die Kieler Nachrichten: „Suche den ehemaligen Eigner des Kutters GABRIELE aus Laboe“. Nach zwei Wochen meldet sich ein Herr, der behauptet, er kenne den Eigner, es sei ein Herr Jürgen Andresen aus Kiel, dann bricht das Gespräch ab. Einen passenden Jürgen Andresen gibt es jedoch nicht, und der Herr, der seinen Namen nicht nannte, ruft nicht wieder an. Drei Wochen später meldet sich aber eine nette Dame, sie ist die „Gabriele“, nach der das Boot benannt war. Sie sendet mir drei sehr schöne Fotos von dem Boot aus den 60er Jahren, wie es zuletzt als Fischkutter ausgesehen hat. Leider ist die Registriernummer schon entfernt, aber die Bilder helfen weiter. Ich setze also eine Kleinanzeige in die Kieler Nachrichten: „Suche den ehemaligen Eigner des Kutters GABRIELE aus Laboe“. Nach zwei Wochen meldet sich ein Herr, der behauptet, er kenne den Eigner, es sei ein Herr Jürgen Andresen aus Kiel, dann bricht das Gespräch ab. Einen passenden Jürgen Andresen gibt es jedoch nicht, und der Herr, der seinen Namen nicht nannte, ruft nicht wieder an. Drei Wochen später meldet sich aber eine nette Dame, sie ist die „Gabriele“, nach der das Boot benannt war. Sie sendet mir drei sehr schöne Fotos von dem Boot aus den 60er Jahren, wie es zuletzt als Fischkutter ausgesehen hat. Leider ist die Registriernummer schon entfernt, aber die Bilder helfen weiter.
  
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 Das Studieren der Schiffslisten ist auch sonst noch interessant, da es Aufschluss über die Entwicklung und die Situation der Fischerei gibt. Manchmal stand ein Fischer sicher vor dem Ruin, dann war als Eigner z. B. für ein oder zwei Jahre „Reichsfiskus“ eingetragen. Auf einer alten Ansichtskarte von der Kieler Fischauktionshalle von ca. 1930, aus dem Buch „Die Ostseeküste auf alten Ansichtskarten“, ist mein Kutter eindeutig zu erkennen, er besaß noch Mast und Segel. Das heißt, das Boot muss aus dieser Gegend stammen und ist älter als ich dachte. Über Hafen- und Fischereiamt in Laboe komme ich nicht weiter, ebenso wenig in Kiel. Die alten Akten des Fischereiamtes sind jetzt im Landesarchiv in Schleswig. Eine Anfrage dort ist auch erfolglos, man hatte nach vier Wochen nichts gefunden, weder über das Register, noch über eine Seeamtsverhandlung von der Havarie. Das Studieren der Schiffslisten ist auch sonst noch interessant, da es Aufschluss über die Entwicklung und die Situation der Fischerei gibt. Manchmal stand ein Fischer sicher vor dem Ruin, dann war als Eigner z. B. für ein oder zwei Jahre „Reichsfiskus“ eingetragen. Auf einer alten Ansichtskarte von der Kieler Fischauktionshalle von ca. 1930, aus dem Buch „Die Ostseeküste auf alten Ansichtskarten“, ist mein Kutter eindeutig zu erkennen, er besaß noch Mast und Segel. Das heißt, das Boot muss aus dieser Gegend stammen und ist älter als ich dachte. Über Hafen- und Fischereiamt in Laboe komme ich nicht weiter, ebenso wenig in Kiel. Die alten Akten des Fischereiamtes sind jetzt im Landesarchiv in Schleswig. Eine Anfrage dort ist auch erfolglos, man hatte nach vier Wochen nichts gefunden, weder über das Register, noch über eine Seeamtsverhandlung von der Havarie.
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-[{{ lab28_vivika_laboe_detail.jpg?direct&400 |Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu verbessern. }}] 
  
 Nun beginne ich erst einmal alles über alte Fischereifahrzeuge der Ostsee zu sammeln und suche in Archiven vom ehemaligen Altonaer Fischereimuseum und im Kieler Stadtarchiv, finde jedoch nichts Brauchbares. In einem Antiquariat ergattere ich einen Seefischerei-Almanach von 1912, den Almanach von 1932 hatte ich bereits. Hieraus geht hervor, dass die alten Segel-Fischereifahrzeuge in Schleswig-Holstein „Quasen“ hießen und Gaffeltakelung mit Toppsegel, Fock und Klüver trugen und wie die alten Kutter, die ich von früher kannte, mit einer Bünn ausgerüstet waren. Nun beginne ich erst einmal alles über alte Fischereifahrzeuge der Ostsee zu sammeln und suche in Archiven vom ehemaligen Altonaer Fischereimuseum und im Kieler Stadtarchiv, finde jedoch nichts Brauchbares. In einem Antiquariat ergattere ich einen Seefischerei-Almanach von 1912, den Almanach von 1932 hatte ich bereits. Hieraus geht hervor, dass die alten Segel-Fischereifahrzeuge in Schleswig-Holstein „Quasen“ hießen und Gaffeltakelung mit Toppsegel, Fock und Klüver trugen und wie die alten Kutter, die ich von früher kannte, mit einer Bünn ausgerüstet waren.
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 Trotz fehlender Literatur ist die Geschichte der Quasen, den ersten Ostseefischkuttern, doch noch weitgehend zu ermitteln, da es in den vielen Veröffentlichungen des Seefischereivereins zahlreiche Hinweise gibt. Dieser Verein wurde am 3.1.1870 gegründet, mit dem Verein begann damals der Aufschwung in der Fischerei, die zu dieser Zeit nur vom Ufer aus und in Küstennähe stattfand und kaum die Fischerfamilien ernährte. Hierzu waren bessere Geräte, Fangfahrzeuge und neue ertragreichere Fangmethoden nötig. Ebenso mussten in der Vermarktung neue Wege gegangen werden. Trotz fehlender Literatur ist die Geschichte der Quasen, den ersten Ostseefischkuttern, doch noch weitgehend zu ermitteln, da es in den vielen Veröffentlichungen des Seefischereivereins zahlreiche Hinweise gibt. Dieser Verein wurde am 3.1.1870 gegründet, mit dem Verein begann damals der Aufschwung in der Fischerei, die zu dieser Zeit nur vom Ufer aus und in Küstennähe stattfand und kaum die Fischerfamilien ernährte. Hierzu waren bessere Geräte, Fangfahrzeuge und neue ertragreichere Fangmethoden nötig. Ebenso mussten in der Vermarktung neue Wege gegangen werden.
  
-[{{ fischereiinspektor_heins.jpg?direct&240 |Fischereiinspektor Heins}}]+[{{ :fischereidirektorheins.png?240| Fischereidirektor Heins}}]
  
 Die alte Methode, die Fische in von kleinen Booten nachgeschleppten Fischkästen (Hütfässern) zu transportieren, eignete sich nicht für die Küsten- und Seefischerei. So entstanden Quasen ca. 1865 aus den großen Booten, die nachweislich mindestens seit 1808 von Eckernförder Werften gebaut wurden (Jacob Christopher Arffe, H. J. Glasau, F. J. C. Glasau). Die Bünn war hier bereits von der dänischen Handelsquase her bekannt, und es war sicher der Fischereidirektor F. G. W. Heins in Schleswig, dem diese Entwicklung zu verdanken ist. Die alte Methode, die Fische in von kleinen Booten nachgeschleppten Fischkästen (Hütfässern) zu transportieren, eignete sich nicht für die Küsten- und Seefischerei. So entstanden Quasen ca. 1865 aus den großen Booten, die nachweislich mindestens seit 1808 von Eckernförder Werften gebaut wurden (Jacob Christopher Arffe, H. J. Glasau, F. J. C. Glasau). Die Bünn war hier bereits von der dänischen Handelsquase her bekannt, und es war sicher der Fischereidirektor F. G. W. Heins in Schleswig, dem diese Entwicklung zu verdanken ist.
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 Der Eckernförder Segelclub veranstaltete 1901 eine Fischerbootregatta, von der es einen Bericht des Seefischereivereins mit Fotos gibt (siehe Extra-Bericht). Hier sind die Fischerboote der Schleswiger Ostseeküste, vom letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, gut zu sehen. Es wurde in drei Klassen gesegelt, nämlich Schwertquasen, Kielquasen und Waadboote. Schwertquasen sind äußerlich kaum von den heute besser bekannten Zeesenbooten aus Mecklenburg-Vorpommern zu unterscheiden, haben jedoch ein Steckschwert. Der Eckernförder Segelclub veranstaltete 1901 eine Fischerbootregatta, von der es einen Bericht des Seefischereivereins mit Fotos gibt (siehe Extra-Bericht). Hier sind die Fischerboote der Schleswiger Ostseeküste, vom letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, gut zu sehen. Es wurde in drei Klassen gesegelt, nämlich Schwertquasen, Kielquasen und Waadboote. Schwertquasen sind äußerlich kaum von den heute besser bekannten Zeesenbooten aus Mecklenburg-Vorpommern zu unterscheiden, haben jedoch ein Steckschwert.
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 +[{{ :andreashinkelmann.png?240|Andreas Hinkelmann}}]
 +[{{ :anzeige.png?240|Das Boot wird an Johannes Paulsen verkauft. Anzeige im Fischerboten, Oktober 1909. }}]
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 Ab ca. 1884 wurde Herr A. Hinkelmann Oberfischmeister in Kiel, ihm sind viele Berichte zur Situation der Fischerei in Schleswig zu verdanken. Die Einführung der Quasen muss damals ein ähnlicher Fortschritt gewesen sein wie später die Motorisierung (siehe Prof. Henking 1928). Herr Hinkelmann schreibt 1885 in einem Artikel über den Goldbuttfang (Scholle): „Ich sehe noch die erste Quase, wie sie mit Fischen aller Art reich beladen zum ersten Male vom Fangorte in Sicht kam und dabei, vermöge ihres scharfen Baues und ihrer Stabilität, eine Fahrt beim Kreuzen entwickelte, daß alle in der Nähe befindlichen Fahrzeuge weit zurückblieben. Fische und deren Beförderung derselben an die Märkte. Mehr verlangte man nicht, denn das Fangen war ja die größte Kleinigkeit.“ Ab ca. 1884 wurde Herr A. Hinkelmann Oberfischmeister in Kiel, ihm sind viele Berichte zur Situation der Fischerei in Schleswig zu verdanken. Die Einführung der Quasen muss damals ein ähnlicher Fortschritt gewesen sein wie später die Motorisierung (siehe Prof. Henking 1928). Herr Hinkelmann schreibt 1885 in einem Artikel über den Goldbuttfang (Scholle): „Ich sehe noch die erste Quase, wie sie mit Fischen aller Art reich beladen zum ersten Male vom Fangorte in Sicht kam und dabei, vermöge ihres scharfen Baues und ihrer Stabilität, eine Fahrt beim Kreuzen entwickelte, daß alle in der Nähe befindlichen Fahrzeuge weit zurückblieben. Fische und deren Beförderung derselben an die Märkte. Mehr verlangte man nicht, denn das Fangen war ja die größte Kleinigkeit.“
  
-[{{ fischerquase_anzeige_1909.jpg?direct&400 |Das Boot wird an Johannes Paulsen verkauft. Anzeige im Fischerboten, Oktober 1909. }}]+
  
 Um die Seetüchtigkeit der Fangfahrzeuge zu erhöhen, begann man in dieser Zeit die größeren Boote einzudecken, um im Herbst vor Fehmarn auf Heringsfang zu gehen, wie die Dänen es bereits vorgemacht hatten. Ab 1902 begann in Schleswig-Holstein die Motorisierung der Fischereifahrzeuge mit englischen und dänischen Motoren. Ab 1909 standen deutsche Motoren für die Fischerei zur Verfügung und es wurden allmählich alle Fahrzeuge damit ausgerüstet. Wegen der geringen Leistung dieser Maschinen wurde jedoch bis zirka 1930 noch unter Segeln gefischt. Aber bei Flaute und allen Arbeiten am Netz war der Motor eine echte Hilfe. Um die Seetüchtigkeit der Fangfahrzeuge zu erhöhen, begann man in dieser Zeit die größeren Boote einzudecken, um im Herbst vor Fehmarn auf Heringsfang zu gehen, wie die Dänen es bereits vorgemacht hatten. Ab 1902 begann in Schleswig-Holstein die Motorisierung der Fischereifahrzeuge mit englischen und dänischen Motoren. Ab 1909 standen deutsche Motoren für die Fischerei zur Verfügung und es wurden allmählich alle Fahrzeuge damit ausgerüstet. Wegen der geringen Leistung dieser Maschinen wurde jedoch bis zirka 1930 noch unter Segeln gefischt. Aber bei Flaute und allen Arbeiten am Netz war der Motor eine echte Hilfe.
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 1898 gab es in Schleswig-Holstein noch 489 Quasen. Um 1960 wurden die letzten abgewrackt und es ist ein glücklicher Zufall, dass wenigstens noch ein Boot erhalten ist, so ist doch noch ein Stück norddeutscher Landesgeschichte nicht für immer verloren. Bis 1999 fuhr mein Kutter als Motorboot. 1898 gab es in Schleswig-Holstein noch 489 Quasen. Um 1960 wurden die letzten abgewrackt und es ist ein glücklicher Zufall, dass wenigstens noch ein Boot erhalten ist, so ist doch noch ein Stück norddeutscher Landesgeschichte nicht für immer verloren. Bis 1999 fuhr mein Kutter als Motorboot.
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 +===== Wieder unter Segeln =====
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 +[{{ :vivikauntersegeln.jpg?direct&300|Quase Vivika 2004 mit einem neuen, dem Original nachempfundenen Rigg.}}]
  
 Sehr angetan war ich auch von Gerd Bükers Artikeln in //Piekfall// 32/33 über die Suche nach der SH.-Quase, auf der ich, wie sich nun herausstellt, seit 20 Jahren mit dem Mors sitze. Nun musste ich aber auch wissen, wie die SH-Quase segelt. Den Urzustand wieder herstellen will ich natürlich nicht, denn auf etwas Komfort mag ich nicht verzichten. Die Bäume ließ ich mir anfertigen, stehendes Gut und Beschläge machte ich selbst. Den Segelriss ermittelte ich aus dem Foto von der Fischerbootregatta und fuhr zu Paul Seilmoker nach Finkenwerder. Ich war begeistert, Paul kannte sich aus und machte mir richtig feine Segel. Beim Einschlagen der Kauschen musste ich helfen, denn das musste schnell gehen, da sich die Augen sofort wieder zusammenziehen, und dann soll die Kausch sitzen. Paul hatte trotz seiner fast 93 Jahre alles im Griff, nur vier Hände hat er natürlich auch nicht. Sehr angetan war ich auch von Gerd Bükers Artikeln in //Piekfall// 32/33 über die Suche nach der SH.-Quase, auf der ich, wie sich nun herausstellt, seit 20 Jahren mit dem Mors sitze. Nun musste ich aber auch wissen, wie die SH-Quase segelt. Den Urzustand wieder herstellen will ich natürlich nicht, denn auf etwas Komfort mag ich nicht verzichten. Die Bäume ließ ich mir anfertigen, stehendes Gut und Beschläge machte ich selbst. Den Segelriss ermittelte ich aus dem Foto von der Fischerbootregatta und fuhr zu Paul Seilmoker nach Finkenwerder. Ich war begeistert, Paul kannte sich aus und machte mir richtig feine Segel. Beim Einschlagen der Kauschen musste ich helfen, denn das musste schnell gehen, da sich die Augen sofort wieder zusammenziehen, und dann soll die Kausch sitzen. Paul hatte trotz seiner fast 93 Jahre alles im Griff, nur vier Hände hat er natürlich auch nicht.
  
-Nächsten Sommer sollte angesegelt werden, Stefan, mein Schwiegersohn kam mit. Von Neustadt aus wollten wir die ersten Erfahrungen sammeln. Stefan begriff schnell, worauf es ankam und packte tüchtig zu. Ich merkte, das Gaffelsegeln ist doch nicht so einfach, denn viele Kniffe und Tricks sind nötig. In Neustadt fanden wir ein ausgezeichnetes Buch: „Oldtimersegeln“ von Tom Cunliffe, das passte gut. Abends studieren und tagsüber probieren. Nun kamen wir einigermaßen klar und eroberten die Lübecker Bucht. Der Wind war ganz ordentlich, und zu unserer Freude lief das Boot unter Segeln ausgezeichnet. Während wir unter Motor immer ordentlich zu Kehr gegangen waren, laufen wir jetzt ruhig wie Oma Deiters beim Milch holen.+<WRAP right round box 320px>
  
-Mutig geworden meldeten wir uns für das nächste Jahr zum Captain’s Cup in Lübeck an. Klappte auch alles gut, bis zur Regatta. Dass wir noch keine Weltmeister waren, war uns längst klar, aber dabei sein ist alles. Beim Start vor Brodten ging es schon los, die Mastringe waren zu knapp und das Groß war nicht hinauf zu bekommen. Endlich mit zwei Reffs waren wir startklar, aber das Startschiff war längst weg und das Feld am Horizont fast verschwunden. „Nu gib aber Schubrakete“, meinte Stefan. Inzwischen waren aus den angesagten 0–2 Windstärken zirka 5 mit Böen geworden, das war gerade richtig, denn bis Pelzerhaken, wo als Wendemarke das Museumsfeuerschiff FEHMARNBELT lag, hatten wir das Feld ein- und vier Boote überholt.+===== LAB 28 =====
  
-Hier sollte als Aufgabe ein Maisbeutel an das längsseits liegende Startschiff übergeben werden, von uns aus in Lee, das wurde knapp. Ich dachte, das wird ein Volltreffer, aber wir kommen vorbei. Man konnte aber auch keinen Hut mehr durchwerfen und der Beutel brauchte nur noch fallengelassen zu werden. Von Bord des Feuerschiffes gab es tosenden Beifall, keiner ahnte unser Anfängerglück. Vor dem Ziel erhielten wir von einem Motorboot die Anweisung, die Untiefentonne steuerbord zu lassen, waren aber nicht sicher, ob wir das richtig verstanden hatten, denn zwei Kutter vor uns blieben backbord, und die hatten ja sicher Funk. Wir also hinterher, das war aber verkehrt, denn bald sahen wir die Ziellinie an Steuerbord vorbeirauschen – egal.+{{ quasaevivikaheute.jpg?300 |LAB 28 / GABRIELE}}
  
-[{{ lab28_vivika_segelriss.jpg?direct&300 |Etwas umgebaut, aber noch Quase. }}]+^ Allgemeines ^^ 
 +| **Name** | GABRIELE / VIVIKA | 
 +| **Fischereikennzeichen** | LAB 28 | 
 +| **Typ** | Quase 
 +| **Baujahr** | ca1870 | 
 +| **Bauwerft** | vermutlich Glasau, Eckernförde | 
 +| **Bauweise** | Eiche-Klinker | 
 +| **Ehemaliger Heimathafen** | Laboe | 
 +| **Status** | Rumpf erhalten, anzusehen im Museumshafen Probstei | 
 +^ Technische Daten ^^ 
 +| **Länge** | 10,98 m | 
 +| **Breite** | 3,30 m | 
 +| **Tiefe** | 1,70 m | 
 +| **Tiefgang** | 1,00 m | 
 +| **Spantenweite** | 2 Fuß | 
 +| **Plankenstärke** | 1 Zoll | 
 +| **Plankenhöhe** | 1 Fuß | 
 +| **Planken** | Eiche-Klinker, vorn, achtern und unten in Sponung | 
 +| **Nietung** | Kupfer | 
 +| **Plankengänge** | 10 | 
 +| **Segelfläche** | 176 m² | 
 +| **Kiellänge** | 8,25 m | 
 +| **Kiellänge vor Motorisierung** | 7,50 m |
  
-Dann wurde es aber doch noch ungemütlichdenn da wir das Beidrehen noch nicht geübt hatten, wollten wir unter Motor Segel bergenWegen des Windes ließ sich das Großsegel kaum dichtholen und auch nicht Kurs haltenPlötzlich gaben die Wanten nach und der Mast fing an zu tanzen. Nun aber fix die Plünnen runter und die Wanten mit zwei Stroppen sichern – gerade noch mal gut gegangen. Der Rest war ein Kinderspiel. Wir ließen uns die gute Laune nicht verderben und feierten erst einmal in Lübeck mitDas Mastband war abgerutschtweil zwei dicke Bolzen brachen, das gab Probleme beim Mastlegen, aber auch das haben wir geregelt. Uns hat diese Reise sehr viel Spaß und Erfahrung gebracht. Ich kann jetzt nachvollziehen, was Oberfischmeister Hinkelmann, selbst einst Fischer in Eckernförde, einst vor 130 Jahren über Schleswig-Holsteiner Fischerquasen und ihre hervorragenden Segeleigenschaften berichtet hat.+</WRAP> 
 +Nächsten Sommer sollte angesegelt werdenStefanmein Schwiegersohn kam mit. Von Neustadt aus wollten wir die ersten Erfahrungen sammeln. Stefan begriff schnell, worauf es ankam und packte tüchtig zuIch merkte, das Gaffelsegeln ist doch nicht so einfach, denn viele Kniffe und Tricks sind nötigIn Neustadt fanden wir ein ausgezeichnetes Buch: „Oldtimersegeln“ von Tom Cunliffe, das passte gut. Abends studieren und tagsüber probieren. Nun kamen wir einigermaßen klar und eroberten die Lübecker Bucht. Der Wind war ganz ordentlich, und zu unserer Freude lief das Boot unter Segeln ausgezeichnetWährend wir unter Motor immer ordentlich zu Kehr gegangen warenlaufen wir jetzt ruhig wie Oma Deiters beim Milch holen.
  
-===== Beschreibung der Kieler Quase =====+Mutig geworden meldeten wir uns für das nächste Jahr zum Captain’s Cup in Lübeck an. Klappte auch alles gut, bis zur Regatta. Dass wir noch keine Weltmeister waren, war uns längst klar, aber dabei sein ist alles. Beim Start vor Brodten ging es schon los, die Mastringe waren zu knapp und das Groß war nicht hinauf zu bekommen. Endlich mit zwei Reffs waren wir startklar, aber das Startschiff war längst weg und das Feld am Horizont fast verschwunden. „Nu gib aber Schubrakete“, meinte Stefan. Inzwischen waren aus den angesagten 0–2 Windstärken zirka 5 mit Böen geworden, das war gerade richtig, denn bis Pelzerhaken, wo als Wendemarke das Museumsfeuerschiff FEHMARNBELT lag, hatten wir das Feld ein- und vier Boote überholt.
  
-Hier noch eine kurze Beschreibung der Kieler Quase:+Hier sollte als Aufgabe ein Maisbeutel an das längsseits liegende Startschiff übergeben werden, von uns aus in Lee, das wurde knapp. Ich dachte, das wird ein Volltreffer, aber wir kommen vorbei. Man konnte aber auch keinen Hut mehr durchwerfen und der Beutel brauchte nur noch fallengelassen zu werden. Von Bord des Feuerschiffes gab es tosenden Beifall, keiner ahnte unser Anfängerglück. Vor dem Ziel erhielten wir von einem Motorboot die Anweisung, die Untiefentonne steuerbord zu lassen, waren aber nicht sicher, ob wir das richtig verstanden hatten, denn zwei Kutter vor uns blieben backbord, und die hatten ja sicher Funk. Wir also hinterher, das war aber verkehrt, denn bald sahen wir die Ziellinie an Steuerbord vorbeirauschen – egal.
  
-  * Länge: 10,98 m +Dann wurde es aber doch noch ungemütlichdenn da wir das Beidrehen noch nicht geübt hattenwollten wir unter Motor Segel bergen. Wegen des Windes ließ sich das Großsegel kaum dichtholen und auch nicht Kurs halten. Plötzlich gaben die Wanten nach und der Mast fing an zu tanzen. Nun aber fix die Plünnen runter und die Wanten mit zwei Stroppen sichern – gerade noch mal gut gegangen. Der Rest war ein Kinderspiel. Wir ließen uns die gute Laune nicht verderben und feierten erst einmal in Lübeck mit. Das Mastband war abgerutschtweil zwei dicke Bolzen brachendas gab Probleme beim Mastlegenaber auch das haben wir geregelt. Uns hat diese Reise sehr viel Spaß und Erfahrung gebracht. Ich kann jetzt nachvollziehenwas Oberfischmeister Hinkelmannselbst einst Fischer in Eckernförde, einst vor 130 Jahren über Schleswig-Holsteiner Fischerquasen und ihre hervorragenden Segeleigenschaften berichtet hat.
-  * Breite: 3,30 m +
-  * Tiefe: 1,70 m +
-  * Tiefgang: 1 m +
-  * Spantenweite: 2 Fuß +
-  * Plankenstärke: 1 Zoll +
-  * Plankenhöhe: 1 Fuß +
-  * Planken: Eiche-Klinkervornachtern und unten in Sponung +
-  * Nietung: Kupfer +
-  * Plankengänge: 10 +
-  * Segelfläche gesamt: 176 m² +
-  * Kiellänge: 8,25 m +
-  * Kiellänge vor Motorisierung: 7,50 m +
-  * Bauwerft: vermutlich Glasau, Eckernförde +
-  * Baujahr: ca1870+
  
-Das Boot wurde 1909 nach Laboe verkauft und war dort bis 1938 als LAB 28 in der Fischerei eingesetzt. 
  
die_geschichte_einer_quase.1783450219.txt.gz · Zuletzt geändert: von martin