~~NOTOC~~ ====== Der Eiswinter 1978/1979 in Eckernförde ====== ===von Bernd Gradlowski=== Der Jahreswechsel **1978/1979** brachte für ganz Schleswig-Holstein eine ungewöhnlich lange und intensive Sturm- und Schneefallperiode. Vielerorts wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis Neujahr und anschließend weiter bis in den Februar hinein erlebten auch **Eckernförde** und das umliegende Landgebiet eine Notsituation. Die Schneeräumung funktionierte anfangs nur auf den Hauptverbindungsstraßen. Organisierte Einsätze von Bundeswehr und Behörden sorgten für Hilfe. Viele Bürger beteiligten sich an der Schneeräumung und an der Versorgung Bedürftiger und verhinderten dadurch Schlimmeres. Es kam zu Strom-, Telefon- und Verbindungsausfällen. Ursache waren unter anderem meterhohe Schneeverwehungen. Auch die Vorräte vieler Bürger drohten knapp zu werden. Besonders betroffen waren abgelegene landwirtschaftliche Betriebe: Durch Stromausfall fielen wichtige Arbeitsabläufe aus, zugleich brachen durch unpassierbare Straßen die Versorgungswege zusammen. Im Februar folgte ein weiterer Wintereinbruch. Tauwetter setzte erst im März ein. Die Schäden waren vielerorts zunächst kaum absehbar. Auch an der Küste verursachte der starke Sturm erhebliche Schäden, unter anderem durch Landabbrüche. ===== Ereignisse im Eckernförder Hafen ===== Zu den Ereignissen in Eckernförde berichtet **Bernd Gradlowski**:
Der Eisbrecher **HANSE** lief Eckernförde im Eiswinter 1978/1979 zweimal bis in den Außenhafen an. Bei einem Unfall im Januar 1979 hatte sich der Angelkutter **ANNEMARIE**, **ECKE 5**, im Eckernförder Außenhafen durch extremes Hochwasser und starken Wellengang mit der Scheuerleiste an den Dalben aufgehängt. Der Kutter wurde erheblich beschädigt, und es drohte Wassereinbruch. Die **ANNEMARIE** musste aus dem Wasser genommen werden. Zu diesem Zeitpunkt fuhr mein Vater den Angelkutter **ANTARES**, **KFK 518**, als Kapitän. Die **ANTARES** lag bei der Werft **Gustav Meeder** im Binnenhafen. Der Hafen war komplett zugefroren. Zunächst musste die **ANTARES** von der Pier loskommen. Mein Vater wollte versuchen, mit dem Kriegsfischkutter das Eis im Binnenhafen aufzubrechen. Die Holzbrücke wurde geöffnet, und am Hafen kam es zu einem größeren Menschenauflauf. Meter für Meter brach die **ANTARES** das Eis mit Anlauf auf, bis in den Außenhafen, wo die **ANNEMARIE** lag. Diese Aktion dauerte mehrere Stunden. Die **ANNEMARIE** konnte anschließend aus eigener Kraft bis an den Slip im Binnenhafen fahren. Der Slipwagen musste ins Wasser gezogen werden, danach konnte die **ANNEMARIE** aufgeslipt werden. Für die **ANTARES** war das Eisaufbrechen ein erhebliches Risiko. Diese Aufgabe hätte man eher einem Stahlkutter zugemutet. Die **ANTARES** wurde in diesem Eiswinter in Eckernförde stark gefordert.
===== Bilddokumentation ===== Die folgenden Bildbeschreibungen beruhen auf Screenshots aus dem YouTube-Film **„Eiswinter 1978/1979“** sowie auf Material von **Rainer Dohrn**. Drei Bilder zeigen Aufnahmen aus der Fußgängerzone **Kieler Straße**. [{{ :eiswinter_kieler_strasse_01.png |Fußgängerzone Kieler Straße während der Schneekatastrophe 1978/1979 in Eckernförde. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] [{{ eiswinter_kieler_strasse_02.jpg |Fußgängerzone Kieler Straße während der Schneekatastrophe 1978/1979 in Eckernförde. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] [{{ eiswinter_kieler_strasse_03.png |Fußgängerzone Kieler Straße während der Schneekatastrophe 1978/1979 in Eckernförde. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] ===== Eingefrorene Kutter im Hafen ===== [{{ :kutter:otti.png?direct&400 |Eckernförde im Eiswinter 1978/1979. Vorn liegt **OTTI**, **ECKE 1**, bereits stillgelegt. Rechts liegt die ehemalige **BRIGITTE**, nun in Fahrdorf an der Schlei registriert. Im Hintergrund liegen von links **ECKE 3 CHRISTA** und **ECKE 28 GERDA**. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] [{{ eiswinter_hafen_kutterreihe.jpg?direct&400 |Eckernförde im Eiswinter 1978/1979. In Reihe von links: **ECKE 10 SVEN**, **ECKE 28 GERDA**, **ECKE 9 JOHANN RATHJE**, **ECKE 80 HEIMAT**, das Butterschiff **ADLER III** und der Angelkutter **GUDRUN**. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] [{{ eiswinter_hafen_reni_heimat_rathje.jpg?direct&400 |Schneekatastrophe 1978/1979 in Eckernförde. Ganz links ist das Achterschiff von **ECKE 14 RENI** zu sehen, ganz rechts **ECKE 9 JOHANN RATHJE**. In der Bildmitte liegt **ECKE 80 HEIMAT**. Dahinter ist das weiße Achterschiff des Butterschiffs **ADLER III** zu erkennen. Quelle: Rainer Dohrn. }}] Auf dem Bild ist gut zu erkennen, dass die eisernen Scherbretter weit außenbords hängen. Dadurch legten sich die Kutter leicht auf die Seite und konnten sich nicht an den Dalben aufhängen. ===== Außenhafen und Angelkutter ===== [{{ eiswinter_hafen_helgoland_schwalbe_annemarie_gudrun.jpg?direct&400 |Eckernförder Außenhafen im Eiswinter 1978/1979. Zu sehen sind **HELGOLAND**, das größte Seebäderschiff, das von Eckernförde aus lief, außerdem die blaue **ECKE 15 SCHWALBE**, der Angelkutter **ANNEMARIE**, **ECKE 5**, und ganz rechts das schwarze Vorschiff von **ECKE 1 GUDRUN**, **KFK 64**. Bis zu dieser Stelle brach die **ANTARES** das Eis auf. Quelle: Screenshot YouTube / Rainer Dohrn. }}] ===== ANTARES als „Eisbrecher“ ===== Die **ANTARES**, **KFK 518**, war in diesem Winter gewissermaßen der „Eisbrecher“ des Schnee-Winters in Eckernförde. Sie brach das Eis bis zur **ANNEMARIE** auf und ermöglichte dadurch die Bergung des beschädigten Angelkutters. [{{ antares_eisbrecher.png?direct&400 |**ANTARES**, **KFK 518**, beim Slip-Unfall 1981 in der Eckernförder Werft. Die Aufrichtung erfolgte mit einem Schwimmkran. }}]